Interview

„Ich bin in den besten Händen“

von Redaktion

Lieber Herr Ponnelle, haben Sie wirklich Ihr Streichquartett noch nie vorher gehört?

Pierre Dominique Ponnelle: Ich hab’s natürlich im Kopf gehört. Es gab allerdings eine Aufführung, als ich einen Preis bekommen habe und da wurde es gespielt. Aber da dies eine geschlossene Veranstaltung war, kann man trotzdem sagen, dass dies heute zum ersten Mal fürs Publikum zu hören war.

Können Sie Ihre Empfindungen schildern, wenn in so einem Raum die Menschen ihre Energie des Zuhörens dazu tun?

Bei dem Diogenes-Quartett weiß ich, dass ich immer in den besten Händen bin, sie haben auch meine ersten beiden Quartette sehr oft gespielt. Immer wenn die Diogenes-Musiker spielen, gehe ich sehr entspannt ins Konzert, weil ich weiß, dass sie mit viel Kompetenz, aber auch mit viel Leidenschaft und Herzblut sich für meine Sache einsetzen, und es ist eigentlich – ich bin’s ja gewöhnt als Dirigent, nervös zu sein bei den Aufführungen – ein viel schöneres, entspannteres Gefühl als Komponist. Man weiß, es gibt immer Leute, denen ist es zu modern, dann gibt’s andere, denen ist es nicht modern genug, aber es ist schon ein sehr schöner Endpunkt einer langen Arbeit.

Sind Sie der Meinung, dass man dieses Quartett verstehen kann, ohne die Biografie der jüdischen Dichterin und Schauspielerin Edith Silbermann zu kennen?

Ich hoffe! Ich mag’s nicht besonders, wenn „Künstler“ sehr viel reden oder sehr viel schreiben. Es geht ja darum, dass Edith Silbermann eine Jugendfreundin des Lyrikers Paul Celan ist und das französische Kinderlied „Au claire de la lune“ das Erkennungslied war, das der junge Celan auf der Straße gepfiffen hat, wenn er die junge Edith Silbermann runterlocken wollte. Das natürlich kann man nicht erahnen, wenn man das nicht weiß. Ich hoffe, dass die Musik aus sich heraus ausdrucksvoll genug ist, dass man, auch wenn man das alles nicht weiß, dennoch etwas mitbekommt.

Ich habe mich beim Hören amüsiert, als ich die österreichische Kaiserhymne heraushörte.

Ja, Czernowitz, der Geburtsort von Edith Silbermann und auch Paul Celan, war eine Stadt der K.u.k.-Monarchie. Die Ostjuden waren alle Anhänger von Kaiser Franz Joseph und haben es alle bedauert, dass diese Monarchie zusammengebrochen ist. Ich auch übrigens, ich bin ein großer Anhänger der K.u.k.-Monarchie und darum musste ich mir diesen kleinen Scherz erlauben. Ich war mal in Czernowitz bei dem letzten jiddischen Autor, dem 2009 gestorbenen Josef Burg, und der hatte noch zu Hause ein Bild von Franz Joseph hängen. Und daran hab ich gedacht. Interview: Rainer W. Janka

Artikel 4 von 7