Kunst- und Kulturverein zu Hohenaschau

Von Marokko nach Aschau

von Redaktion

Ausstellung mit Zeichnungen und Aquarellen des Landart-Künstlers Hannsjörg Voth

Aschau – Der Kunst- und Kulturverein zu Hohen-
aschau zeigt in seiner Galerie Zeichnungen und Aquarelle von Hannsjörg Voth. In den Jahren zwischen 1978 und 1981 machte Voth mit seinen Aktionen Furore. Die „Reise ins Meer“ inszenierte er, als er auf einem von ihm bewohnten Floß von Ludwigshafen aus den Rhein abwärts fuhr. Das „Boot aus Stein“ schuf er, als er im niederländischen Ijsselmeer auf einem Pfahlbau ein Steinboot bis zur Seetauglichkeit heraus meißelte.

Noch mehr gingen seine Bauten „Himmelstreppe“, „Goldene Spirale“ und „Stadt des Orion“ in die Kunstgeschichte ein. Die Großskulpturen entstanden während seines Aufenthalts in Marokko, als er auf der Marha-Ebene architektonisch feste und bewohnbare Bauten errichtete. Dokumentiert wurden diese von seiner Frau Ingrid Amslinger, einer Fotokünstlerin. Sie machte seine Kunstwerke durch Veröffentlichungen in Film und Fernsehen weltweit bekannt.

Leider sind diese Fotografien in der aktuellen Ausstellung nicht zu sehen. Doch der Vorsitzende und künstlerische Leiter des Kunst- und Kulturvereins zu Hohenaschau, Rudolph Distler, versprach eine gesonderte Ausstellung der Fotografien neben den Vorzeichnungen von Hannsjörg Voth.

Im Erdgeschoss und im Flur des ersten Stockwerks befinden sich großformatige Mischtechniken auf Transparentfolie, die von den Großprojekten Zeugnis geben. Da ist beispielsweise die „Stadt des Orion“ mit akribischen Beschreibungen der Maße. Sie scheinen auf dem Reißbrett eines Architekten entstanden oder einer Seekarte entnommen zu sein.

Geben diese Arbeiten einen Eindruck vom Bildhauer, Installationskünstler und Architekten Voth, so zeigt diese Ausstellung vor allem den Zeichner und Maler Voth. Hatte er doch nach seinem Kunststudium in Bremen als Grafikdesigner gearbeitet, bevor er 1969 als Maler und Bildhauer selbstständig wurde.

Da gibt es in der aktuellen Ausstellung vieles davon zu entdecken: Bleistift- und Kohlezeichnungen im Raum 1, die zwar keine Titel tragen, doch viel über ihre Herkunft erzählen. In einer Zeichnung hat Voth sogar des Gewürz Curcuma verwendet. Mischtechniken in Rot und Weiß sind im Raum 2 zu sehen, die schon sehr viel freier in der Form sind und die Fantasie des Betrachters anregen.

Im Raum 3 entdeckt der Ausstellungsbesucher die unglaubliche Eleganz der Wasserfarben-Figuren. In feinen und dicken Pinselstrichen erkennt er einen Wasserski fahrenden Bocksmenschen, einen Pfeil- und Bogen-Träger oder den zotteligen Rücken einer Tiermenschfigur mit Ziegenkopf. Kleine, nackte Figuren strahlen hingegen einen Hauch von Erotik aus. Allesamt sind sie mythisch-archaisch und ähneln einer Höhlenmalerei.

Die Aquarelle im Raum 4 sind technisch herausragend und doch fantasievoll. Sie geben am besten den Maler Hannsjörg Voth wieder und lassen den Architekten fast vergessen. Unabhängig von den Vorzeichnungen zu den Großprojekten scheinen auch die Zeichnungen und Aquarelle der Natur abgelauscht zu sein. Sie zeigen Elementargeister, Wesen und Dämonen, die menschliche Ängste, Ahnungen und Sehnsüchte zu verkörpern scheinen.

Die Ausstellung in den Räumen der Galerie auf dem Gelände der Festhalle Hohenaschau ist bis 5. August mittwochs von 16 bis 18 Uhr, freitags und samstags von 15 bis 19 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 und 16 bis 19 Uhr zu sehen.