Söchtenau – Sie sind bisher noch nie miteinander aufgetreten: die Geigerin Arabella Steinbacher und die Gitarristin Zsófia Boros. Der Künstlerin Antje Tesche-Mentzen ist es gelungen, die beiden Virtuosinnen im Rahmen der Festspiele Immling in ihr idyllisch gelegenes Atelier nach Hafendorf einzuladen, wo das Publikum ein außergewöhnliches Programm erleben durfte. Kompositionen für Violine und Gitarre sind selten zu hören, noch dazu, wenn sie von einem solch hochkarätigen und sympathischen Duo gespielt werden. Die Atmosphäre im Atelier mit den fantasievollen Bildern und Skulpturen und der guten Akustik hätte für das Konzert, das vor allem zeitgenössische Kompositionen umfasste, nicht idealer sein können.
Zunächst erklangen drei Stücke für Violine und Gitarre des Argentiniers Coco Nelegatti. Zeichnete „Anoche te vi“ von Klopfrhythmen begleitete, schwelgerische zarte Melodik aus, verströmte das ruhige, leise verklingende Stück „Hoy en dia“, in dem die Gitarre den Rhythmus dunkel warm grundierte, tiefen Ernst und Melancholie. Fetzig und brillant spielte Arabella Steinbacher die Geige im tänzerisch ausgelassenen Schlusssatz. Die filigranen musikalischen Arabesken der Gitarre waren von einer betörend perlenden Zartheit und Helligkeit.
Im Gitarrensolo von Leo Brouwer konnte Zsofia Boros erneut ihre spielerische Brillanz demonstrieren. Mit geschlossenen Augen brachte sie die träumerische Melodik in sanft fließenden Pianissimi zum Erklingen. Einen scharfen Kontrast dazu bildete Bachs „Chaconne“ aus der d-Moll Partita BWV 1004. Arabella Steinbacher war in diesem gesetzmäßig strengen Werk mit seinem Reichtum an Figurationen ganz in ihrem Element. Mal bezauberte die Violine mit melodischem Gesang, mal dominierten Spannungsbögen mit Akkordbrechungen und rhythmische Impulse, die das Publikum bis zum letzten Takt bannten.
In Piazzollas „Café 1930“ verschmolzen Violine und Gitarre zu einer musikalischen Einheit. Es war ein Genuss zu sehen, wie beide Musikerinnen aufeinander eingingen, sich immer wieder gegenseitig zulächelten und inspirierten. Da stahl niemand dem anderen die Schau, da waren beide ebenbürtige Partner auf höchstem Niveau.
Auf flirrende, herb und trocken klingende Tonfolgen der Gitarre in „El Albrazo“ von Quique Sinesie, die sich echoartig wiederholten, folgte, wiederum für Sologitarre, eine „Cavalcade“ von Mathias Duplessy, deren lebhafter Zartheit sich niemand entziehen konnte.
Rätschende Rhythmen der Geige in Piazzollas „Tango Suite“ wechselten mit ruhig fließenden Gitarrenakkorden und hohen, leise verklingenden Geigentönen, die sich am Ende dramatisch steigerten. Nach dem wilden, heftig umjubelten Stück „Chasing Time“ von Duplessy spielte das Duo als Zugabe noch einmal Nelegattis ruhigen zweiten Satz „Hoy en dia“.