Oberaudorf – Dokumentarfilme waren einer der Schwerpunkte bei den Musikfilmtagen Oberaudorf 2018. Die gezeigten Produktionen „Conny Plank – the Potential of Noise“, „Martin Grubinger – zwischen den Welten“ und „Wildes Herz“ sind alle drei Einzelporträts und zudem ist ihnen die historische Aufarbeitung der musikalischen Karriere durch Zeitzeugen und alte Filmdokumente gemeinsam. Bei allen drei Filmen waren Verantwortliche aus Produktion oder Regie für anschließende Gespräche zugegen.
Ganz frisch war die Auszeichnung des Films „Conny Plank – the Potential of Noise“als bester deutscher Dokumentarfilm für die anwesende Produzentin Milena Fessmann. Der Film beschreibt aus der Sicht des Sohnes Stephan Plank in einer mehrjährigen Spurensuche anhand seines Archivs die Arbeit des legendären Toningenieurs Conny Plank. Von Anfang der 70er-Jahre bis zu seinem Tod 1987 ließ Conny Plank in seinem Tonstudio in Wolperath, einem Gehöft bei Köln, hochkarätige Musiker – von der englischsprachigen Avantgarde (Eurythmics, Brian Eno, Ultravox) bis hin zur Deutschen Welle (Kraftwerk, Ideal) und Gianna Nannini – an den Mikrofonen seines 56-Kanal-Mischpultes ihren eigenen Stil verwirklichen. Mit seinen Plattenaufnahmen prägte er die gesamte Popmusik der 80er-Jahre mit.
Victor Grandits porträtierte den Percussionisten Martin Grubinger als einen Musikbesessenen im Zenit seines Erfolges. Die schwierige Phase seiner Pubertät hat er mit pausenlosem Üben, teilweise mehr als 15 Stunden pro Tag, an allen möglichen Schlagwerkgegenständen überwunden. Grubinger gibt selbst zu, dass er die Art und Weise, wie er jetzt, im Alter von 35 Jahren, seine Konzerte gestaltet, allein schon physisch nicht mehr lange wird durchhalten können und dass er sich ein anderes musikalisches Betätigungsfeld suchen muss, das sich einerseits aus seiner Tätigkeit als Dozent an der Hochschule der Künste in Zürich oder aus seiner politischen Positionierung gegen die rechtslastige Koalition in seinem Heimatland Österreich ergeben könnte.
Besonders deutlich wurde der Untertitel des Films „Zwischen den Welten“, wenn sich Grubinger im familiären Umfeld seiner Heimatgemeinde Neukirchen an der Vöckla aufhielt, beim Umzug mit der Blasmusik die kleine Trommel spielte oder bei einem Waldspaziergang einen Blick in sein Innerstes zuließ.
In „Wildes Herz“ beschreiben Charly Hübner und der bei den Musikfilmtagen anwesende Stephan Schultz die klare Positionierung des Frontmanns der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, Jan „Monchi“ Gorkow, gegen die starke rechte Szene im nordöstlichsten Bundesland.
Im Gegensatz zu den anderen beiden Filmen, in denen Profimusiker vorgestellt wurden, handelt es sich bei „Monchi“ um einen Autodidakten, der die Musik als Ausdruck seiner Meinung und als Mittel für den gesellschaftlichen Diskurs verwendet, der konventionelle Grenzen überschreitet, dessen Band jahrelang als linksradikal im Verfassungsschutzbericht auftaucht, langfristig aber doch seine Arbeit dadurch bestätigt sieht, als 2015 die Band dann nicht mehr in dieser Kategorie auftauchte.