Eines scheint festzustehen: Die Bezeichnung „Birgl“, „Birkl“, Bürgl“ für einen kleinen Berg ist in unserem Sprachraum nicht mehr gebräuchlich. „Birgl? A kloana Berg? Dees is a Bichl, a Bihi“, heißt es in Kutterling. „Birkl? Kloane Birknsteckerl, für d Fronleichnamsprozession“, antwortet ein Münchner. „Wos a Bürgl is? Do sog i liawa nix, sunst sog i wos Foischs“, lächelt eine Bürgerin aus Altenbeuern. Sie weiß aber: „Ja, dees Bergerl do, dees hoaßd Birgl. Do oom haan a diam Woidfestl und Theateraufführunga!“.
Die Altenbeuererin sagt – richtigerweise – Birgl, nicht Bürgl. Auch Dr. Josef Bernrieder hat in seiner 1987 erschienenen „Chronik des Marktes Neubeuern“ die Schreibung Birgl, während Wolfgang Czysz 2014 in seinem Buch „Steinhauer im oberbayerischen Inntal“ die heute offizielle Schreibweise Bürgl anwendet, wenn er auf den Mühlsteinbruch am Bürgl zu sprechen kommt. Bei Bürgl handle es sich, so Czysz, um „einen bewaldeten Härtlingszug (…), der sich rund 15 m über seine Umgebung erhebt“. Weiterhin bezeichnet der Autor Bürgl als „Kuppe“.
Die Realprobe bestätigt: Keine Spur von Birken, keine Reste einer kleinen Burg; und eine Notburga, a Burgä, ist fürs Altenbeuerer Bürgl ebenfalls nicht Namenspatronin gewesen.
So erlauben wir uns, der zuständigen Marktgemeinde Neubeuern die Schreibung „Birgl“ zu empfehlen. Begründung: Der Umlaut /ü/ würde zu „Burg“ passen. Ein Birgl hat aber nicht direkt mit einer Burg, sondern mit dem Wort „Gebirge“ zu tun, welches, so wie „Birgl“, vom Wort „Berg“ abgeleitet ist. Man vergleiche „sehen“ und „Sicht“.
Hierzu könnte sich die Marktgemeinde an der Gemeinde Oberaudorf ein Beispiel nehmen. In der vergangenen Folge haben wir ein mittelalterliches „Birgl“/ „Birkl“ oberhalb von Niederaudorf erwähnt, dessen Spuren sich aber in der Neuzeit verloren haben. Aber siehe da: Florian Seebacher von der Gemeinde Oberaudorf hat unseren Beitrag sehr genau gelesen, daraufhin mit einer Kollegin diskutiert und ist zu folgendem Resultat gekommen: „Das Anwesen Birkl hat heute die Hausnummer Ried (…), die genaue Ortsbezeichnung nennt sich Ried bei Fahrenberg“.
Beim Rückblick auf die vergangene Folge sind wir beim Thema „Borzn“ (Baerzn, Pertzen, Parzen = etwas Hervorstehendes), – leider posthum – Helmut Pabst aus Brannenburg zu Dank verpflichtet. In seinem Werk „Das Buch von Brannenburg“ schreibt Pabst zum Lechner-Hof: „Der kleine Hügel oberhalb des Hauses heißt heute noch der Batzbichl“. Vielleicht wurde der Parzenbichl, weil man das Bestimmungswort nicht mehr verstand, zum Batzenbichl und dann Batzbichl. Spricht man, wie etliche Brannenburger, den Batzbihi mit hellem a, dann hätte er etwas mit dem Baaz zu tun, mit normalem a aber mit einem Batzen, einem Klumpen also. Ganz nebenbei lesen wir bei Helmut Pabst noch von einem Streit aus dem Jahre 1553 um die Alm am Spitzstein. Diese Alm heißt seitdem Lechner-Alm und der Berg „Lechner-Köpfl“!