Wasserburg – Dieser Abend – der zehnte nun in dieser Reihe im Festsaal des Inn-Salzach-Klinikums – gehörte für Andreas Fröschl zweifellos dem so betörenden Klavierstil des Komponisten Claude Debussy. Auch die vielen Zuhörer im Saal mögen dies bei solchen für heutige Ohren immer noch neuen Tönen gespürt haben. Ein Poet am Klavier! Dabei hatte es gar nicht erklärender Worte oder vom Komponisten beigefügter Titel bedurft. Glasklar skizzierte Fröschl die Motive, ließ die von aller funktionalen gegenseitigen Beziehung freien Harmonien schillern.
Und dass er ein Gespür für Zusammenhänge hat, zeigte sich gegen Ende des Programms, als er auf Debussys zehntes Prelude ohne Unterbrechung die Stücke Opus 119 von Johannes Brahms folgen ließ: Gar nicht so wesensverschieden schien sich die Tonsprache des alten Brahms anzuhören. Denn Andreas Fröschl versteht es, jeden Komponisten als Neuerer in seiner eigenen Zeit darzustellen.
Wie passte nun Beethoven in dieses Umfeld? Auch an diesem Abend des in Wien wirkenden Pianisten wählte Andreas Fröschl eines der Spätwerke, diesmal die berühmte Sonate Opus 111. Wie hat sich nicht Thomas Mann über deren Arietta literarisch ausgelassen, welchen Nimbus hat nicht diese letzte Sonate Beethovens im Lauf der Zeit erhalten! Der Pianist Alfred Brendel befand sogar, die Arietta sei ein „Präludium des Verstummens“. Wirklich? Dabei hatte Beethoven noch Jahre danach die Diabelli-Variationen, die „Neunte“, die weltbewegenden späten Quartette geschrieben! Kein Verstummen, eher Wiedergeburten in steter neuer Lebenssuche!
Im ersten Satz bot nun Andreas Fröschl alles, was er an polyphoner Gestaltung und Fingerfertigkeit aufzuweisen hatte. In der „Arietta“ versenkte er sich in Beethovens Welt, die Aura Debussys verlor eine Zeit lang an Bedeutung.
Unbeirrbar behielt er metrisch genau den Puls der Melodie bei, und selbst in der an einen Ragtime erinnernden Variation klang das Thema hindurch. Die Übergänge zu Wiederholung und Folgevariation gelangen beglückend, gerade weil sie ohne jede Verzögerung wahrgenommen wurden. Der klopfende Anschlag unter den Trillern: Mitnichten ermüdend für den Zuhörer, denn er gehörte zum ewigen Puls, der auch dies musikalische „Nirwana“ am Leben erhielt.
Mehr als
eine Pflichtübung
Fröschls Opus 111 war somit mehr als eine Pflichtübung in Klassik, und in dieser Aufführung wurde wiederholt deutlich, dass gerade junge Musiker heute solch „letzte Dinge“ in Hingabe erfassen können. Noch wartet die große Sonate Opus 106 auf Fröschl – oder widmet sich der Pianist einstweilen lieber der Kammermusik, der Begleitung?
Am Schluss des Abends bei Brahms schien, so innig und transparent die Stücke von Opus 119 angelegt sind, die Es-Dur-Rhapsodie in etwas dicke Akkordballungen auszuufern – ein Temperamentsausbruch des Komponisten, und geradezu geeignet für den Schlussapplaus. Die Zuhörer warteten nun gerne auf die bekannten kabarettistischen Couplets à la Georg Kreisler. Auch damit enttäuschte Andreas Fröschl nicht.