Bad Aibling/Tuntenhausen – Mit der Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „La Clemenza di Tito“ in italienischer Sprache ist der Opernbühne Bad Aibling unter der Regie von Michael Stacheder in der Reithalle von Schloss Maxlrain ein großer Wurf gelungen. Die Sänger, deren Rollen ausnahmslos gut besetzt waren, der stimmstarke Chor und das Orchester unter dem Dirigat von Chariklia Apostolu bildeten eine perfekt aufeinander abgestimmte musikalische Einheit. Angenehm modern und klug gewählt war das Bühnenbild, bewusst verzichtete man auf gepuderte Perücken und barocken Prunk.
Mozart komponierte die 1791 in Prag uraufgeführte Oper anlässlich der Krönung Leopolds II zum böhmischen König. Im Mittelpunkt der Handlung steht der römische Kaiser Titus, der nicht mit Rachsucht und Gewalt, sondern mit Güte, Milde und Menschlichkeit regieren will. Nenad Cica verkörperte diesen sympathischen und gedankenvollen Herrscher mit ausdrucksvollem, oft wehmütig klingendem Tenor. Titus wünscht die Treue seines Volkes, leidet aber unter dem Verrat seines Freundes Sesto (Olga Privalova). Bereits im Duett mit seiner Geliebten Vitellia (Karolina Plicková), die hofft, durch Heirat mit Titus auf den Thron zu kommen, nahm Sesto das Publikum mit hellem, raumfüllendem Timbre gefangen. Viel Beifall erhielt Intrigantin Vitellia wegen ihres glockenreinen Soprans als rachsüchtige, verschmähte Gattin.
Titus jedoch will nicht Vitellia heiraten, sondern Sestos Schwester Servilia (Katharina Wittmann mit melodisch ausdrucksvoller Stimme), die allerdings nur dessen Freund Annio (Klaudia Tandl) liebt. Ergreifend brillierten Annio und Servilia im Duett „Ah, perdona al primo affetto“, in dem sich Servilia unverbrüchlich ihrer Liebe versichert.
Zu Herzen ging das Geständnis Sestos im zweiten Akt. Wegen seines Verrats von Gewissensbissen geplagt, wird er von Präfekt Publio (Óddur Jónsson mit effektvollem Bass) und zwei etwas übertrieben martialisch auftretenden, schwarz gekleideten Wächtern mit Sturmgewehren und Sonnenbrillen gefangen genommen.
Hubert Dobl als Cherub verkörperte in schattenhaft stummer Präsenz Schicksal und Tod. Einen goldenen Lorbeerkranz auf dem Kopf, schien Titus als Kind (Emanuel Dobl) den erwachsenen Herrscher immer wieder an sein Gewissen zu erinnern, damit er sich auf göttliche Güte und Milde besinnt. Beklemmung löste die Szene aus, als der kleine Titus pantomimenhaft mit abwehrenden Händen durch die rauchenden Trümmer des Kapitols irrt.
Das Orchester unter einer souveränen, im Sitzen dirigierenden und Cembalo spielenden Chariklia Apostolu war zu den Sängern klanglich fein ausbalanciert, der Chor sang mit Verve und Herzblut. Majestätische Fanfaren in der Ouvertüre, melodische Klarinetten- und Flötensoli und geschmeidige Streicher beseelten das Publikum. Das perspektivisch sich verengende Bühnenbild mit dem großen Bilderrahmen, der im zweiten Akt schräg verschoben war, ermöglichte einen guten Blick auf das dramatische Geschehen. Düstere Zitate von Mozart regten zum Nachdenken an, friedliche Parolen auf Papierzetteln stellten aktuelle Bezüge her.
Nach dem anhaltenden und begeisterten Beifall bedankte sich Intendant James Barnes bei allen Beteiligten noch einmal für ihre hervorragende Leistung. Nicht nur jeder Mozartliebhaber sollte diese rundherum gelungene Opernaufführung unbedingt besuchen.
Weitere Aufführungen am 18., 20., 22., 24. und 27. Juli jeweils um 19.30 Uhr in der Reithalle von Schloss Maxlrain. Kartenvorverkauf telefonisch unter 08062/ 8070934 oder online unter www. opernbuehne-badaibling.de.