Wahlgesänge in der Werkstatt

von Redaktion

Basta-Frontmann William Wahl stellt erstes Soloprogramm vor

Er macht gern Urlaub in Flagranti, wünscht sich einen Shitstorm ganz für sich allein und fordert eine schicke Kita für Korbinian-Flinn (sehr frei nach Abbas „Chiquitita“): William Wahl, Kopf und Herz der A-cappella-Gruppe „Basta“ aus Köln, wandelt erstmals auf Solopfaden. In der Werkstatt in Rimsting stellte er sein Klavierkabarettprogramm „Wahlgesänge“ vor. An zwei aufeinanderfolgenden Abenden war der Saal fast voll besetzt. Wahl ist in der Region kein Unbekannter, seine Band „Basta“ gibt seit vielen Jahren immer wieder Benefizkonzerte für den Verein „Silberstreifen“ zur Unterstützung und Förderung neurologisch kranker Kinder in der Wasserburger Badria-Halle. Das nächste Gastspiel ist für Ende Mai 2019 in Planung.

In Rimsting bewies Wahl sein Talent, mit Phantasie und Wortwitz Geschichten aus alltäglichen Situationen und Begebenheiten zu erzählen – mal lustig, mal provokant, mal nachdenklich, mal melancholisch. Wenn er zum Beispiel vom Urlaub in Flagranti schwärmt und sich auf die Form seiner Unterhose einen Reim macht („Warum spannt die?“), sind ihm die Lacher sicher. Sein komödiantisches Talent stellt Wahl auch zwischen den Stücken unter Beweis („Wer mit 20 noch nicht an die Liebe glaubt, hat kein Herz. Wer mit 40 noch an die Liebe glaubt, hat keinen Verstand“). Auch Pointen beherrscht Wahl. Zum Beispiel verlegt er den Hit „Picture Postcards from L.A.“ von Joshua Kadison ins Brandenburgische, lässt seine Angie ihrem Verehrer Ronny regelmäßig Karten „mit nem Bild vom KaDeWe“ aus Berlin schicken – bis Angie nach 30 Jahren plötzlich eine Karte aus dem Bundeskanzleramt schickt.

Wahl versteht es auch, mit amüsanten Geschichten seinen Zuhörern den ein oder anderen Denkanstoß mitzugeben, zum Beispiel über sogenannte soziale Medien. „Ich sitze ganz allein zu Haus und versuche mich zu googeln, aber ich tauche nirgends auf. Irgendwann mach ich was Krasses und dann wird keiner mehr durch mich hindurchsehen wie bisher“, singt er in „Shitstorm ganz allein für mich“. Da bleibt manchem das Lachen im Halse stecken – und genau das will der Kölner mit seinen Wahlgesängen ja auch.

Wahl verabschiedet sich in der zweiten Zugabe mit einer Liebesballade, die er seinem Klavier widmet. Wer ihn erlebt, weiß, dass das eine besondere Zweierbeziehung ist.

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