Amerang – Keinesfalls darf man Max Müller, dem TV-Publikum weitestgehend als liebenswerter Polizeiobermeister Michi Mohr aus der Serie „Die Rosenheim-Cops“ bekannt, als singenden Schauspieler missverstehen. Sein Operndebüt als lyrischer Bariton gab der ausgebildete Sänger schon 2002. Viele Jahre wirkte er bei den Gottfried-von-Einem-Tagen in Niederösterreich mit. Seit 2012 konzipiert der Kärntner eigene musikalisch-lyrische Programme, mit denen era auch regelmäßig auf Schloss Amerang zu erleben ist.
Nach „Tierisch!“ im letzten Sommer, stellte Max Müller nun im ausverkauften Arkadenhof unter dem Titel „Rundherum!“ den „Versuch einer Weltreise“ an. Dazu hatte der Entertainer mit Tonc Feinig (Klavier, Arrangements), Klaus Lippitsch (Percussion) und Stefan Thaler (Kontrabass) drei Musiker aus seiner österreichischen Heimat mitgebracht, die selbst erfolgreich eigene Projekte verfolgen. Es war naheliegend, dass die musikalische Reise – oder besser Wanderschaft, denn Max Müller trug lederne Wanderstiefel – in Kärnten startete, mit dem traditionellen Stück „Da Großvater saat“. „Il tuo bacio è come un rock“, ein Lied, das für den jungen Adriano Celentano den Durchbruch bedeutete, führte nach Italien. Müller interpretierte den Rock’n’Roll-Klassiker mit warmen Bariton. Und auch bei Stephan Remmlers „Keine Sterne in Athen“ (stattdessen Schnaps in Sankt Kathrein) versuchte der Österreicher nie, das Original zu imitieren, sondern lieferte eine eigene, recht trockene und völlig akzentfreie Version des deutschen Schlagers.
„Garantiert akzentfrei“, so hieß das Programm im Untertitel. Wie korrekt die Aussprache in Mikis Theodorakis‘ „I Epistoli“, in dem arabischen Gutenachtlied „Yalla tnam Rima“ oder im Traditional „Karu Karu“ von den Cookinseln war, dass vermag allein ein Sprachgenie zu beurteilen. Insgesamt 16 verschiedene Sprachen tischte Max Müller auf und überraschte das Publikum nicht nur mit einem unerhörten Repertoire an Liedern, sondern auch mit humorvollen Geschichten, Gedichten und Anekdoten, etwa der aberwitzigen Erzählung Umberto Ecos um einen Lachs in der Minibar oder Egon Friedells pointierter Skizze „Der Panamahut“. Zu den Höhepunkten gehörten das smarte „Puttin‘ on the Ritz“ des Amerikaners Irvin Berlin, das lebensfrohe „Siffler sur la colline“ des Franzosen Joe Dassin und das zu Herzen gehende „Jö schau“ des zu früh verstorbenen Österreichers Georg Danzer. Obwohl kurzweilig, trug der Abend, der auf den 100. Geburtstag Nelson Mandelas fiel, eine ernsthafte Botschaft in sich – für die Freiheit als höchstes Gut und gegen Abgrenzung und Rassismus.