Aus dem Volksmusikarchiv

„S Lebn auf der Alma …“

von Redaktion

Singabend mit Almliedern aus 200 Jahren am 1. August im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl

In besonderer Weise nimmt sich die alpenländische Volksliedpflege der „Almlieder“ an – Lieder, die vom (schönen) Leben auf der Alm, der Landschaft, der Freiheit, der Arbeit, der Begegnung und der Liebe berichten. Es wird eine Lebensform vorgestellt, die weg ist vom Alltag der Menschen – früher und heute. Viele junge und ältere Frauen und Männer sind auch in der Gegenwart auf der Alm, bewirtschaften Almen und verbringen den Almsommer entfernt von ihrem „normalen“ Jahresablauf.

Schon im 18. Jahrhundert künden Akten und Notizen von Polizei, Verwaltung und Gerichten von „Besonderheiten“ und „Verbotenem“, was auf Almen, weit weg vom eingesehenen Dorfleben geschieht: Freie Liebe und Wilderei sind nur einige „Delikte“, die vor allem jungen Leuten vorgeworfen werden. Sie kommen auch in vielen Liedern vor, die sich mit dem Almleben beschäftigen.

Im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern haben wir Belege von Liedern zum Almleben seit dem (späten) 18. Jahrhundert, verstärkt im 19. und im 20. Jahrhundert: Realistisch oder romantisiert, derb oder geschönt werden die Ereignisse oder die Wunschwelt besungen.

Die Städter aus München, die Reiseschriftsteller, wie Lorenz Westenrieder um 1780 oder die Kameralisten wie Joseph Hazzi um 1800 beschreiben diese Welt, teils voll Verwunderung! Haben sie sich doch in ihrer Vorstellung ein unzutreffendes Bild der für die Städter „fremdartigen“ Menschen auf der Alm gemacht: Sie treffen auf ganz „normale“ Menschen und sind verwundert.

Dann kommt ab etwa 1830 die Romantik in die Schilderung des Almlebens in Oberbayern: Die Maler Neureuther (1829) und Halbreiter (1839) sammeln „Gebirgslieder“, Herzog Maximilian in Bayern (1808-1888) singt und sammelt Schnaderhüpfl und Jodler und publiziert 1846 seine „Oberbayerischen Volkslieder mit ihren Singweisen“. Er und Kobell dichten neue Lieder auf das schöne Almleben, die sich bis heute in der Volksliedpflege erhalten haben. Auch die Trachtenbewegung ab den 1880er-Jahren verbreitet diese Almlieder, die Herausgeber von Liederheften wie Werkmeister (Miesbach 1893) oder Westermaier (München 1906) sind in Sachen Almlieder tätig.

Kiem Pauli kann in den 1920er-Jahren eine Vielzahl dieser Lieder im südlichen Oberbayern aufzeichnen – drastische und liebliche! Und nach dem Zweiten Weltkrieg haben diese Lieder wieder eine neue Begründung: Sie zeigen die Schönheiten des Lebens, der Liebe und Natur auf, nach einer Zeit der Grausamkeiten der Diktatur und des Weltkriegs. Bis heute leben einige Lieder und Texte, die vor 200 Jahren schon gesungen wurden – und neue kommen immer wieder dazu!

Am Mittwoch, 1. August, um 19 Uhr lädt das Volksmusikarchiv zu einem Archivabend mit Almliedern ein. In kleiner Runde werden gemeinsam Almlieder und Lieder von Sennerinnen und Burschen auf der Alm gesungen. Das Volksmusikarchiv bereitet Liedblätter aus der Sammlung von Joseph Hazzi aus der Gegend von Oberaudorf, von Wastl Fanderl und von Kiem Pauli vor. Der Eintritt ist frei. Verbindliche Anmeldung bis 30. Juli beim Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern (Krankenhausweg 39, 83052 Bruckmühl, Telefon 08062/5164, E-Mail: volksmusikarchiv@bezirk-oberbayern.de).

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