Herrenchiemsee Festspiele

Auch Barockkomponisten konnten covern

von Redaktion

Musik von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach und Charles Avison auf Frauenchiemsee

Chiemsee – Auch das zweite Konzert der Herrenchiemsee Festspiele im Münster auf Frauenchiemsee gehörte der Barockmusik: Unter dem Titel „1685“ – dem Geburtsjahr von Händel und Bach – waren Concerti grossi und Bariton-Arien aus Bach-Kantaten gegeneinandergestellt. Es spielte das Concerto Köln, es sang Benjamin Appl.

Die Musiker von Concerto Köln spielten im Stehen und ohne Dirigenten, dafür mit einer hochvirtuosen Konzertmeisterin, die sich mit einer ebenso virtuosen Kollegin einen Violinen-Wettstreit lieferten im Concerto grosso B-Dur op.3 Nr. 2 von Händel. Dieses Concerto grosso klang aber lediglich professionell-routiniert, im Gegensatz zu den zwei Concerti grossi von Charles Avison. Der lebte von 1709 bis 1770 in seiner Geburtsstadt Newcastle und prägte das dortige Musikleben als Organist, Komponist und höchst erfolgreicher Musikveranstalter.

Dabei arbeitete er Cembalo-Sonaten von Domenico Scarlatti um in Concert grossi – heute würden wir sagen: Er coverte sie. Und dies so, dass etwas ganz Neues und Aufregendes daraus entstand. Immer vier Sonaten ergeben ein Concerto. Mit rauschender Rasanz und leidenschaftlichem Brio präsentierte Concerto Köln diese Musik voller erfrischender, ja sprudelnder Lebendigkeit, Unterhaltsamkeit und „fein gesponnener Gesanglichkeit“, wie das Programmheft formuliert.

Das war aber alles nichts gegen Johann Sebastian Bach und dessen viertem Brandenburgischen Konzert: Der zartsilbrige Schein der zwei Blockflöten und der aufschießend-strahlende Glanz der Solovioline vor dem Hintergrund des subtil spielenden Streichorchesters rissen das Publikum im voll besetzten Münster zu Ovationen hin.

Dazwischen eingestreut waren die Arien aus Bach-Kantaten. Allerdings wirkten sie so ihres religiösen Inhalts beraubt und damit als reine Barockperücken-Ästhetik. Auch wenn Benjamin Appl mit lockerer Stimmgebung, strömender Natürlichkeit des Timbres und hervorragender Artikulation sang: Diese Arien wirkten in diesem Zusammenhang fremd. Bezaubernd war das Duettieren mit der Barock-Oboe in „Es ist vollbracht“ aus der Kantate „Sehet, wir gehen hinauf nach Bethlehem“.

Dafür hatte Appl programmatisch das letzte Wort mit dem freudig-gläubigen „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ aus der gleichnamigen Kantate und mit zwei Zugaben: „Jesu bleibet meine Freude“ und „Du bist die Ruh“.

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