Immling-Festival

Hommage an Nelson Mandela

von Redaktion

Das Miagi-Youth-Orchester erinnerte mit einem Konzert an den Friedensnobelpreisträger aus Südafrika

Halfing – Ein Besuch auf Gut Immling ist an sich schon ein Erlebnis. Selbst wenn die Veranstaltung wegen schlechten Wetters nicht auf der Waldbühne im Freien, sondern in der Reithalle stattfindet. Und erst recht dann, wenn sich das Miagi-Youth-Orchester aus Südafrika angekündigt hat.

Die 90 jungen Musiker sind seit Anfang Juli auf Europa-Tournee, beginnend mit einem Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie. Letzte Station vor Immling war das Sommerfestival im österreichischen Villach. „Es bedurfte einiger Anstrengungen, das Miagi-Youth-Orchester hierher zu holen“, sagte der Hausherr von Gut Immling, Ludwig Baumann, zu Beginn des Konzerts.

Mit „Willkommen, Afrika, das Vermächtnis von Nelson Mandela leben“ wollen die Musiker an den südafrikanischen Aktivsten, Politiker und Friedensnobelpreisträger erinnern. „Musik und Tanz lassen mich mit der Welt Frieden schließen“, sagte einst Nelson Mandela. Sein Traum war, dass unter dem Regenbogen-Gedanken alle Menschen im Zeichen der Musik zusammenfinden.

Dies demonstrierten die 90 jungen Musiker aus den verschiedensten sozialen und ethnischen Schichten. Allesamt trugen sie bunte Hemden und Jeans und die Hautfarbe schien keine Rolle zu spielen. Ihre Namen reichten von Lebogang Ledwaba über Claudia Dehnke bis Donne de Kock.

Mitgebracht hatte das Orchester ein umfangreiches und sehr verschiedenartiges Programm: Zunächst die Ouvertüre zu Goethes „Egmont“, die Ludwig van Beethoven 1810 für das Wiener Burgtheater geschrieben hat. Der langsamen Einleitung, deren Thema im Allegro wiederkehrte, folgte die Sonate, geprägt von Unruhe und Kampf. Streicher und Bläser befanden sich im ständigen Dialog, bis zum Schluss ein fanfarenartiger Jubel ertönte.

Auf die Probe gestellt wurde die Konzentrationsfähigkeit der Zuhörer bei der Ballettsuite für Orchester, dem „Feuervogel“ von Igor Strawinsky. Dem optischen Zauber eines Balletts entbehrend, war die rein akustische Version, so gut sie auch vom Orchester dargeboten wurde, ein wenig anstrengend. Eindrucks- und stimmungsvollen Passagen der Streicher folgten fanfarenartige Aufrufe der Bläser, bis der feengleiche Feuervogel den unmenschlichen Zauberer überwindet und die Prinzessin befreit. Das Orchester demonstrierte dies in einer hymnisch gesteigerten Finalmelodie. Streicher und Bläser entfachten ein wahres musikalisches Feuerwerk.

Leonard Bernsteins Vielseitigkeit brachten die jungen Musiker in „Prelude, Fugue und Riffs“ für Klarinette und Jazz-Ensemble zum Ausdruck. Gleichwohl das Orchester sich bei diesem Stück verkleinert zeigte, präsentierte es Jazz und Broadwaystil, Anklänge an jüdischen Synagogen-„Gesang“ und dann wieder Bigband-Sound. Bei diesem Stück dominierte das Klavier und vor allem die Klarinette. Visser Liebenberg ist seit fünf Jahren beim Miagi-Youth-Orchester und experimentiert mit der Schaffung von erweiterten Klarinetten-Techniken. Die Zuhörer in der Immlinger Reithalle begeisterte er mit seinen Soli.

Den Höhepunkt des Konzerts bildete die Komposition des Dirigenten Duncan Ward. Er hat seine Suite für Orchester aus Anlass des 100. Geburtstags von Nelson Mandela „Rainbow Beats“ genannt. Eingebaut hat er traditionelle Musik Afrikas und diverse Strömungen südafrikanischer Musik. Indigene Stammesgesänge und ansteckend groovige Klänge, Rhythmus und ganz viel Seele verschmolzen gleichermaßen ineinander. Der Zuhörer glaubte, alle möglichen Klänge des Urwalds herauszuhören, von Vogelgezwitscher bis zum Schleichen oder Trampeln von mehr oder weniger wilden Tieren. Leise Streicher oder laute Bläser bis zu Paukenschlägen.

Vielleicht war es symbolisch bei diesem Stück, dass der weiße Dirigent den Taktstock an einen farbigen abgab? Die weißen und die schwarzen Musiker gerieten immer mehr in Begeisterung und tanzten. Sie steckten das Publikum an, das immer begeisterter reagierte. Es klatschte und sang mit bei den afrikanischen Gesängen und applaudierte im Stehen. Das war genau das, was sich die Konzertbesucher von einem südafrikanischen Orchester erwartet hatten.

Duncan Ward, der sich währenddessen unter die Perkussionisten gemischt hatte, kletterte auf die Schultern seiner Musikerkollegen und zeigte auf das Porträt von Nelson Mandela auf einer Großleinwand. Eine große Hommage an den Helden Südafrikas, der in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

So viel Jubel hatte die Immlinger Reithalle wohl noch nie erlebt. Auch nicht Ludwig Baumann, der am Ausgang der Halle stand. „Das ist einmalig in den 20 Jahren meines Wirkens hier“, sagte er völlig überwältigt.

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