Chiemsee – „Landschaften“ lautete das Motto des Konzerts mit dem Orchester der „Klangverwaltung“ unter der Leitung von Salvador Mas Conde im Spiegelsaal von Schloss Herrenchiemsee. Auf dem Programm standen Werke von Eduard Toldrà, Maurice Ravel und Ludwig van Beethoven. So unterschiedlich die Kompositionen in Stil und Wirkung waren, so genial gelang es dem Orchester, den Charakter, ja den Zauber des jeweiligen Werkes zu Gehör zu bringen.
Mit den „Empùries – Sardana Iliure“ in A-Dur des katalanischen Komponisten Eduard Toldrà präsentierte das Orchester einen Tanz, dessen schwelgerisch-ausgelassene Rhythmik das Publikum faszinierte. Trommeln und Blechbläser schufen ausdrucksstarke Kontraste, Flöten schienen Vogelstimmen zu imitieren, die Streicher sorgten für eine klangsatte melodische Farbigkeit. Das Orchester besaß eine große Homogenität und eine raumfüllende Dynamik, die in mächtigen Fanfaren mit einem effektvollen Finale endete.
Die fünf Kinderstücke „Ma mère l´oye“ von Maurice Ravel zeigen den Komponisten als Liebhaber einer von Märchen- und Tiergestalten bevölkerten kindlichen Vorstellungswelt. Dirigent Salvador Mas Conde entlockte dem Orchester bereits im ersten Stück „Pavane de la Belle au bois dormant“, das Dornröschen als gravitätische Tänzerin beschreibt, zarte, ätherische Klänge. Flöten und Streicher erzeugten eine träumerisch verklärte Ruhe. Strahlte das zweite Stück „Petit Poucet“ einen berückenden Klangzauber aus, der sich in leisen Flöten, einem verklärten Oboengesang und aufsteigenden Tonfolgen der Streicher ausdrückte, berührten im dritten Stück Harfenklänge, feine Pizzicati der Streicher und asiatisch klingende Schlaginstrumente.
Im vierten Satz kamen Klarinetten und Fagotte zum Einsatz, deren dunkelherbe Tiefe bald von einer Triangel abgelöst wurde, die das ganze Orchester hell übertönte. Im Schlussstück „Le jardin féerique“, in dem Ravel einen Hymnus an die Seele des Kindes vertonte, schwoll der Klangkörper des Orchesters in einer fremdartig-traurigen Marschmusik mächtig an. Am Ende schien es, als erwache man aus einem magischen Traum.
Beethovens 6. Symphonie „Pastorale“ in F-Dur op. 68 rief beim Publikum anhaltende und stürmische Ovationen hervor. Salvador Mas Conde, der packend und souverän den ganzen Klangkosmos des Komponisten auslotete, animierte das Orchester zu einer überragenden Leistung. Zugleich zart und kraftvoll, mit bezwingender Energie, Kraft und Leidenschaft schufen die Musiker Stimmungsbilder von heiteren Empfindungen mit Vogelgesang bis hin zu stürmischen Winden und lauten Donnerschlägen. In den einzelnen Bildern schien die Natur gleichsam das Symbol für das menschliche Schicksal zu sein.
Die „Pastorale“ wirkte in der Interpretation des Orchesters der „Klangverwaltung“ derart frisch, derart elementar und unmittelbar, dass es nach diesem grandiosen musikalischen Schöpfungsakt trotz minutenlangen Beifalls zu Recht auf eine Zugabe verzichtete.