Rosenheim – Von Möbeln der 30er- und 50er-Jahre fühlte sich die Künstlerin Elisabeth von Samsonow seit einigen Jahren besonders angezogen. „Es ist, als würden sie etwas transportieren und zu mir sprechen“ sagt sie. Vom Kunstverein Rosenheim eingeladen, entwickelte sie daher ihre Performance der „Elternschlafzimmervorstellung II / a summer night wake dream (Schlaf süß im Rrrrosen-Heim)“ und zeigte sie jetzt in der Städtischen Galerie Rosenheim.
So sahen die Besucher gleich im ersten Saal der Galerie das Szenario eines Doppelbettes mit zwei Nachtkästchen an jeder Seite. Zwei junge Männer in Tracht waren hinter den Betten postiert und jeder hielt einen Besen und einen Teppichklopfer in Händen.
In einem „Akt der Neugierde“ erforschte Elisabeth von Samsonow nun den Ursprung ihres eigenen Wissendrangs. „Man sieht diesen Schlafzimmermöbeln an, dass sie eine Ehe darstellen, mehr als realen Eheleuten“, sagt die Künstlerin, die sich schon als Kind ins Elternschlafzimmer geschlichen hat. Die Performance stellt sich als Versuch dar, diese abstrakte philosophische Neugier in einer kindlichen Erfahrung zu verankern. Musik aus den 30er-Jahren wie Zarah Leanders Lied „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“ oder Songs von „The Who“ begleiteten das Geschehen.
Der schwarze BH, den sich von Samsonow über ihre Kleidung zog, der Tanz auf dem Bett, stellte eine Entwicklung von der Kindheit zur Jugend dar. Das Aufdecken im Wirklichen wie im übertragenen Sinne, das Bedecken des Gesichtes mit Taschentüchern ihres verstorbenen Vaters, das Einhüllen in die Steppdecke, die aufgenähten Pornobilder auf der Matratze und ihr Ausklopfen, alles bezieht sich auf diese rätselhafte Zeit. Das Zerlegen des hölzernen Bettgestells zu neuen Konstrukten wie einem Käfig, aus dem die Künstlerin sich befreien kann, steht für tiefere Wahrnehmung. Nach dem Aufdecken des Bettes, das Wegziehen aller Decken bis auf die unterste Schicht kommt die Wendung und diese Erkenntnis, was dann zu sehen ist, ermöglicht den Umbau und die Neukombinationen. Ein neues, ein eigenständiges Leben kann beginnen. Die Zweckentfremdung stellt den Umgang mit dem Erbe und des Weiteren die Freiheit dar. Mit großem Applaus bedankten sich die Zuschauer.
Elisabeth von Samsonow, geboren in Neubeuern, studierte in München Philosophie, Katholische Theologie und Germanistik. Sie war Dauergast an der Akademie der Bildenden Künste München. 1990 übernahm sie einen Lehrauftrag an der Universität Wien. 1996 erhielt sie eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in Wien für „Philosophische und Historische Anthropologie der Kunst.“