Bad Aibling – Spielen wollten sie das Stück schon im vergangenen Jahr, zum 40-jährigen Bestehen, aber die Verlagsbürokratie machte dem Theater Aibling trotz bereits bezahlter Aufführungsrechte einen Strich durch die Rechnung. Intensive Vorbereitungen, erfolgreiche Proben und der schon gestartete Vorverkauf mussten gestoppt und die Aufführungen abgesagt werden. Jetzt, ein Jahr später, war es endlich so weit. Das „Rustical“ (rustikal und Musical), „Der Watzmann ruft“, 1972 von Manfred Tauchen als Bergbauerndrama-Parodie geschrieben, mit Liedtexten von Joesi Prokopetz und Musik von Wolfgang Ambros, konnte in Bad Aibling aufgeführt werden.
Nach der so ärgerlichen Vorgeschichte stellten sich nun Schauspieler und Musiker in der fast ausverkauften Aiblinger Ausstellungshalle dem erwartungsvollen Publikum. Für die musikalische Gestaltung zeichnete die eigens für die Inszenierung gegründete „Watzmannband“, bestehend vorwiegend aus Mitgliedern der „Willinger Musi“ – Andreas Mayer (E-Piano, Keyboard), Michael Liegl (E-Gitarre, Akustikgitarre), Marinus Keml (E-Gitarre), Franz Grabichler (E-Bass) und Stefan Waldschütz (Schlagzeug) – verantwortlich. Unter Leitung von Franz Keml, der auch die Rolle des Sängers und Erzählers innehat, ging es schwungvoll los, und das Stück, unter der Regie von Beppo Fritsch nahm seinen Lauf.
Die nicht ganz ernst gemeinte Geschichte handelt vom Schicksal eines Bergbauern (mit riesigem Bart, tragisch-komisch Klaus Huber), seines „Buam“ (hinreißend eigenwillig Marinus Gartmeier), sowie seiner Knechte (überzeugend-stoisch Simon Brockhoff und Martin Ranner, brüllkomisch-temperamentvoll). Dazu kommen die Mägde und die anderen Dorfbewohner, (Lisa Rottmüller, Vesna Stöckl, Petra Wolf, Wast Ranner, Stefanie Kolb, Philipp Steincke sowie Maximilian Niggl). Sie alle leben in großer Furcht vor dem „unheimlichen Berg“, dem Watzmann, sind zugleich aber magisch von ihm angezogen. Manchmal ruft er sie, der Berg. Aber wer ihm folgt, ist verloren. Auch der „Bua“ hört den Ruf. Zusätzlich trifft er die „Gailtalerin“ (großartig Claus Maier), die ihm erotische Erfüllung in Aussicht stellt, wenn er den Berg bezwingt. Der „Bua“ geht „auffi“ und stürzt ab. Sein verzweifelter Vater folgt ihm und bleibt auch im Berg. Ist das wirklich das Ende?
Alle Rollen sind überzeugend besetzt, das Bühnenbild (Nikolaus Stigloher) liebevoll ausgearbeitet. Den Mitwirkenden ist die Spielfreude deutlich anzumerken und die ganze Inszenierung ist so harmonisch abgestimmt, dass immer wieder Szenenapplaus aufbrandet. Das „Dorffest“, bei dem die Gailtalerin die Bevölkerung richtig aufmischt, wird musikalisch zusätzlich vom Aiblinger Quartett „Erimastax(Christian und Maria Stacheder, Erich Bayer und Alexander Ostermaier) umrahmt. Christian Stacheder hat dafür eigens eine Auftrittsmelodie komponiert. So folgt die Aiblinger Aufführung vom „Watzmann“ zwar der Original-Vorlage, bietet aber immer wieder auch Überraschendes. Das begeisterte Premierenpublikum dankte mit frenetischem Applaus für einen tatsächlich „bärigen Abend“, den Stadtoberhaupt Felix Schwaller allen in seinem Grußwort gewünscht hatte.
Weitere Aufführungstermine sind am 26., 28. und 29. Juli, jeweils um 20 Uhr in der Ausstellungshalle Bad Aibling. Restkarten an der Abendkasse erhältlich.