Theater Wasserburg

Unterhaltsames Seemannsgarn

von Redaktion

Ensemble begeisterte mit „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“

Wasserburg – Hierzulande ist er eine der bekanntesten Fantasiegestalten und bei Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen beliebt: Käpt’n Blaubär. Das Theater Wasserburg hat den unglaublichen Abenteuern der Kultfigur ein dramatisiertes Live-Hörspiel gewidmet, das jetzt im Innkaufhaus Premiere hatte.

Anders als in der „Sendung mit der Maus“ sind die Geschichten des noch jungen Käpt’n Blaubär aus dem ersten Zamonien-Roman von Walter Moers durchaus auch für Erwachsene gedacht. Der öffentlichkeitsscheue Hamburger Autor und Illustrator schildert darin die „halben Lebenserinnerungen“ eines Seebären, halb Mensch, halb Bär mit Kapitänsmütze und zotteligem, blauen Fell. Um Atlantis zu erreichen, muss Käpt’n Blaubär den wundersamen Kontinent Zamonien durchqueren. Zahlreiche Illustrationen bebildern die Abenteuer zu Wasser, zu Land und in der Luft. Ein extra angelegtes Lexikon klärt den Leser über die „Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung“ auf.

Auf der dreizehneinhalb Leben dauernden Fahrt hat Käpt’n Blaubär diverse Gefahren zu bestehen. Kaum geboren, gerät er in den fürchterlichen Malmstrom, wird aber von den Zwergpiraten gerettet. Er fällt den Klabautergeistern in die Hände und muss die süße Zuckerwüste durchqueren. Schließlich landet Blaubär auf der „Moloch“, einem gigantischen Sklavenschiff, auf dem zahllose Bären in Knechtschaft gehalten werden. Jedes der Abenteuer endet mit einem seiner Leben, wovon ein Blaubär 27 hat. „Dreizehneinhalb davon werde ich in diesem Buch preisgeben, über die anderen werde ich schweigen. Ein Bär muss seine dunklen Seiten haben, das macht ihn attraktiv und mysteriös“, so Blaubär.

Unter der Leitung von Nik Mayr entstand eine gelungene Mixtur aus Lesung, Hörspiel und Theater mit höchst unterhaltsamem Seemannsgarn und Gesang. Tragende Figur war Frank Piotraschke als hanseatisch sympathischer Käpt’n Blaubär. Stilecht im Finkenwerder Fischerhemd, darüber Ölzeug und in Gummistiefeln erzählte er spannende Fantasiegeschichten, deren Einfallsreichreichtum keine Grenzen zu kennen schien.

Zwischendurch schaltete sich immer wieder Hilmar Henjes ins Geschehen ein, um als „Professor Dr. Abdul Nachtigaller“ die wundersamen Phänomene Zamoniens näher zu erklären. Nachtigaller war es auch, der Käpt’n Blaubär mit Intelligenzbakterien infiziert hatte, eine elementare Voraussetzung, um die vielen Gefahren auch zu meistern. Je angenehmer für Käpt’n Blaubär zunächst der Aufenthalt an bestimmten Orten schien, umso gefährlicher wurde es dann, wie auf der Feinschmeckerinsel, und das nicht nur der Kalorien wegen. Gut im Futter stehend sollte er selbst gefressen werden.

Die wundersamen Figuren, denen Käpt’n Blaubär begegnete, wurden von Susan Hecker, Annett Segerer und Regina Alma Semmler belebt. Ein Sammelsurium ungewöhnlicher Gegenstände lieferte zudem die passende Geräuschkulisse zwischen leichtem Seegang, steifer Brise, Orkan und allem, was dazugehört. Die musikalische Begleitung kam von einem roten Miniklavier.

Passend zum Seemannsgarn griff das Ensemble tief in die Klamottenkiste maritimer Schlager: Mit Liedern wie „La Paloma“, „Die Capri-Fischer“ und „Ein Schiff wird kommen“ avancierte das angekündigte Live-Hör-spiel zum stimmungsvollen Musiktheater. „Nimm uns mit, Kapitän, auf die Reise“ hieß die Devise. Es war eine wunderbare Reise in die Welt der Fantasie, die beim Publikum hervorragend ankam.

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