Halfing – Die Regisseurin Verena von Kerssenbrock liest am Mittwoch, 1. August, um 19 Uhr im Theaterzelt im Rahmen des Immling-Festivals gemeinsam mit dem Schauspieler Christian Wolff Auszüge aus ihrem Buch über die Münchner Künstlerfamilie Max. Urspünglich nur für den Familienkreis gedacht, erkannte sie bald, dass die Edition der Briefe zwischen ihrem Urgroßvater und ihrer Urgroßmutter aus der Zeit des Ersten Weltkriegs ein wichtiges Zeitdokument ist.
Während der vier Kriegsjahre, in denen ihr Urgroßvater Colombo Max, Sohn des berühmten Malers Gabriel von Max, hauptsächlich in Frankreich stationiert war, schrieb er seiner Frau Paula fast täglich. Damit die Briefe nicht verloren gingen, schickte er sie immer wieder gemeinsam mit den Antwortbriefen seiner Frau wieder nach Hause.
Der Nachlass von tausenden handschriftlichen, teils nur schwer lesbaren Briefen musste sortiert, in Zusammenhang gebracht und übersetzt werden. Fünf Jahre lang edierte Verena von Kerssenbrock diesen Briefwechsel.
Die Briefe berichten von Ängste und Sorgen, aber auch von glücklichen Ereignissen. Colombo erzählt von den Kameraden, seinen Erlebnissen und den von Langeweile gezeichneten Tagen, beschreibt die ihn umgebende Landschaft und fügt seinen Briefen immer wieder kleine Zeichnungen bei. Paula antwortet mit Alltagsschilderungen und den manchmal schwierigen oft aber auch erheiternden Familiengeschichten mit Sohn Tommi.
Warum ihr Ehemann Max in den Krieg ziehen muss, war für Paula generell unverständlich. Sie fragt sich in ihrem Tagebuch „warum sind die Menschen noch nicht reif und gebildet genug, um sich so blutig wie Buben oder Raufbolde zu schlagen?“. Auch Max macht seine Ablehnung gegenüber dem Krieg immer wieder deutlich: „Was hilft es, die meisten verstehen mich nicht. Sie schämen sich nicht, es ist unfassbar, all die Hunderten schämen sich nicht.“
Christian Wolff, der mit der Familie Kerssenbrock freundschaftlich verbunden ist, teilt das Schicksal eines Kindes, dessen Vater im Krieg war und nicht mehr zurückkehrte. „Die Briefe sollten Pflichtlektüre in unseren Schulen werden“, meint Wolff und zeigte sich fasziniert von deren Authentizität.