Steinach

von Redaktion

Die letzten Schultage bringen manchmal einigen Leerlauf mit sich. Nicht so in einer ambitionierten Schule in der Nähe des Wendelsteins. Die Projekttage vergehen wie im Fluge, darunter auch mit dem Projekt „Stein-Orte in unserer Region“. Das Folgende entnehmen wir dem Protokoll, das der Schüler Leonhard angefertigt hat.

Zuerst wird darüber abgestimmt, ob die Schüler den „Stein“ als Grundwort oder als Bestimmungswort im Ortsnamen nehmen. Ein Grundwort ist der Stein etwa im Namen von Kirnstein. Hier bildet der Stein die Grundlage; das Wort „Kirn“, das auf die Kürne, eine Handmühle, zurückgehen könnte, bestimmt diesen Begriff näher als „Mühlstein“. Umgekehrt ist der „Stein“ das Bestimmungswort im Falle von Steinbruck in der Gemeinde Raubling.

Weil eine steinerne Brücke, bairisch Bruck, im Mittelalter sicherlich ein Großereignis war, setzte sich ihr Name, 1102 „Steinprucke“, bis heute durch. Die Abstimmung ergibt: „Stein“ als Bestimmungswort!

Die Erklärung des Wortes „Stein“ hat die Fiona übernommen. Herausgefunden hat sie eine indogermanischen Wortwurzel „stai“ mit der Bedeutung „verdichten, zusammendrängen, gerinnen, etwas Dichtes“.

Als erster Stein-Ort ist Steinach in der Gemeinde Nußdorf am Inn dran. Schüler Ludwig erhielt über die lokale Aussprache von einer freundlichen Gemeindemitarbeiterin diese Auskunft: „Schdoana! Kein ch hinten, nur ein kurzes a“.

Eine echte Entdeckung gelang Schüler Roman. Ihn interessierte unlängst in Bad Feilnbach ein wohl selbstgefertigtes Verkehrsschild, auf dem „die Kinder aus Untersteinach“ die Autofahrer um eine Tempo-Reduzierung bitten. An dieser Bitte ist an sich nichts sensationell, aber weder der Roman noch die anderen Kinder hatten je von einem Unter- oder Obersteinach im Raum Bad Feilnbach gehört oder gelesen. Keine Spur von einem entsprechenden Ortsschild! Auch die – ebenfalls sehr freundliche – Mitarbeiterin der Gemeinde Bad Feilnbach konnte zunächst keine Auskunft erteilen, bis sie auf einer älteren Landkarte die an der Wendelsteinstraße liegenden Namen Unter- und Obersteinach entdeckte.

Schüler Emil erklärt „Steinach“ als eine „Ache“, einen Wasserlauf also, der wohl ziemlich steinig gewesen ist. Der Felix widerspricht mit Hinweis auf das sächliche Sammelsuffix -ach, das eine Vielzahl etwa von Pflanzen – Aichach, Birkach, Erlach – bezeichnet. Es passe auch für Steine. Hierzu zitiert er für Steinach bei Nußdorf einen Eintrag von 1624: „Steinacher am Steinach“. Bei einer Herleitung von der weiblichen Ache hieße es aber „Steinacher an der Steinach“.

Der Emil gibt sich im Falle des Nußdorfer Steinach einsichtig. Einem möglichen Streit wegen des „Feimbegga“ Steinach beugt aber Mitschülerin Saskia vor. Der Wasserlauf entlang Unter- und Obersteinach heißt seit jeder „Jenbach“, nicht „Steinach“. Also bezeichnet Steinach hier den steinigen Boden besonders links des Jenbachs. Zustimmung im Plenum!

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