Goethe-Gesellschaft Rosenheim

„Schreibe mir bald und liebe mich“

von Redaktion

August Zirner und Katalyn Szigmondy lasen aus Bettina von Arnims Briefroman „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“

Rosenheim – Schon der Titel ist irreführend. Bettina von Arnims Briefroman „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“ handelt, so Katalyn Szigmondy, eher um ihre Eingebungen in Form von teilweise erfundenen Briefen, die sie auch nicht als Kind, sondern als junge Frau an Goethe schrieb. In einer Lesung im Künstlerhof am Ludwigsplatz präsentierte die Schauspielerin auf Einladung der Goethe-Gesellschaft Rosenheim zusammen mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler August Zirner, ausgewählte Briefe aus dem erst 1835 veröffentlichten Briefroman.

Bettina von Arnim begegnet dem 36 Jahre älteren Goethe erstmals 1807 in Weimar. Ihre Briefe, die sie mit „Dein Kind“ unterschreibt, hatte der Dichter bis dahinunbeantwortet gelassen. Aus Bettinas jugendlicher Schwärmerei wird bald eine obsessive Verehrung. Goethe antwortet Bettinas zahlreichen Briefen jedoch nur selten und knapp. Als es zwischen Bettina und Goethes eifersüchtiger Frau zu einem Skandal kommt, bricht der Dichter den Kontakt zu Bettina ab.

In lockerem Wechsel lasen Zirner und Szigmondy jeweils Briefe Goethes und Bettinas. Am 18. Juni 1807 schreibt Bettina dem Dichter voller Sehnsucht: „Es geht wie ein schneidend Schwert durch mein Herz, dass ich bei Dir sein möchte.“ Goethe reagiert wohlwollend reserviert, dankt Bettina dafür, dass sie sich um seine Mutter kümmert. Es sei ihm, so schreibt er, „genussreich und erquickend (…), das reiche Leben deines (Bettinas) Herzens überschauen zu dürfen“. Bettina, die sich mit Goethes Romanfigur der Mignon identifiziert, antwortet ihm in hartnäckiger und träumerischer Anhänglichkeit: „Alles, was Du kaum ahndest, das zeige ich Dir im Tanz, und Du staunst über die Weisheit, die ich Dir vortanze.“

Bettina ist immer wieder selig, wenn ein blaues Kuvert ihres Angehimmelten eintrifft. Goethe antwortet auf die fantasievollen Ergüsse Bettinas freundlich distanziert: „Ich lese deine lieben Briefe mit einigem Vergnügen“ und „Schreibe mir bald und liebe mich.“ Wenn er nicht selber schreibt, entschuldigt er sich, fügt Gedichte bei. Dass Bettina in ihren Briefen oft das Datum vergisst, moniert der Dichter. Bettina hingegen wirft Goethe menschliche Kälte vor.

Zirner und Szigmondy lasen die vielen Briefpassagen mit viel Einfühlung. Der fordernde, leidenschaftlich-naive Tonfall Bettinas kontrastierte hervorragend zu Goethes gönnerhaft gezwungen wirkenden wohlwollenden Floskeln und Ratschlägen. Mit passend unwirscher Stimme sprach Zirner zudem Zitate von Beethoven, mit dem Bettina ebenfalls Kontakt hatte. Für die fesselnde Lesung erhielt das sympathische Schauspielerehepaar von den zahlreichen Besuchern anhaltenden Applaus.

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