Aschau – Der Meisterkurs Bläseroktett wartete dieses Jahr mit einem besonderen Abschlusskonzert auf: Erstmalig spielten die sieben Meisterschüler zusammen mit Professor Hansjörg Schellenberger im Freien. Von der Predigtkanzel im oberen Stock des doppelgeschossigen Kirchleins an der Nahtstelle zwischen Bayern und Tirol erklangen klassische Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn und Antonio Salieri. Die zahlreichen Zuhörer genossen auf Bierbänken und Campingstühlen das Open-Air-Konzert.
Die wohlfein klingende Musik mischte sich mit den Klängen der Natur: Da summten die Bienen, da raschelten die Blätter sanft im Wind, und die Vögel zwitscherten mit manchen Oboen- und Klarinettentönen um die Wette, und selbst der Straßenlärm wurde zu einem sanften bachartigen Rauschen im Hintergrund.
Die Musiker waren kaum sichtbar, auch wenn die aufgeklappten, bemalten Läden wie ein geöffneter Theatervorhang wirkten. Die Musik sollte schließlich im Vordergrund stehen, und das gelang den Bläsern aufs Vortrefflichste. Mit dem Marsch von Beethoven (WoO 29) in c-Moll für je zwei Klarinetten, Hörner und Fagotte begann das Konzert, dann ging es weiter mit Mozarts Serenade in c-Moll (KV 388). Das Oktett spielte daraus zwei Sätze, erst das Allegro und dann das Minuetto in canone. Das Werk mutet sinfonisch an: Wenn die Bläser im Tutti erklingen, ersetzen die Klarinetten quasi die Streicher. Das Menuett hingegen kommt als strenger Kanon mit einem noch komplizierteren Umkehrungskanon als Trio daher.
Ganz anders dann Beethovens Rondino (WoO 25) für Bläseroktett, wo variantenreich immer wieder das volkstümliche Thema durchschimmert. Haydns fünfsätziges Divertimento (Feld-Parthie) in G-Dur HOB II-3 für je zwei Hörner, Oboen und Fagotte ist handwerkliche Meisterschaft. Das Trio Es-Dur für zwei Oboen und Fagott von Salieri mit seinen fein austarierten und heiteren Melodien passte ebenso perfekt zur Sommerlandschaft genau wie Mozarts Divertimento in Es-Dur KV 252 für je zwei Oboen, Hörner und Fagotte, bei dem das Horn – ohne vordergründig zu wirken – vom Andante zum heiteren Menuett, von der tänzerischen Polonaise zurück zu einem heiter-volkstümlichen Presto assai führte. Aus Beethovens Sextett op. 71 für je zwei Klarinetten, Hörner und Fagotte erklangen zwei Sätze – singend im Adagio und klangschön im finalen Rondo, bei dem die Bläsermelodien anfänglich eher an einen Marsch erinnern.
Zum Schluss gab es noch einmal aus Mozarts Serenade c-Moll (KV 388) die beiden anderen Sätze. Das träumerische Andante bildete lautmalerisch die schöne Umgebung der Kapelle ab, im Allegro des Finales übertrumpfte sich Mozart selbst mit Variationen über Variationen. Ein Sommerkonzert der Extraklasse – den Oboisten Hansjörg Schellenberger und Wolfgang Roeckl, den Klarinettisten Maximilian Breinisch und Georg Palz, den Hornisten Maximilian Schellenberger und Marlene Pschorr sowie den Fagottisten Kaspar Reh und David Leschowski gebührt großes Lob. Abgesehen von technischer Brillanz, klanglicher Feinabstimmung und Einfühlsamkeit erfreuten die Musiker mit der Frische und Beschwingtheit ihres Zusammenspiels – und verliehen damit dem Begriff der „Feldparthie“, der in Süddeutschland gängigen Bezeichnung für Bläserstücke, wahrlich den Titel Bläsersinfonie.