Chiemsee – Was viele befürchtet haben, ist nun eingetreten: Wie gestern bekannt wurde, hat die Chorgemeinschaft Neubeuern ihre Selbstauflösung beschlossen. Zu groß war die Lücke, die der Tod von Enoch zu Guttenberg, Gründer und jahrzehntelanger Leiter des Ensembles, gerissen hat. (Siehe auch Seite 32). Die Chormitglieder haben damit eine konsequente Entscheidung getroffen, die aber einhellig gefallen ist, wie Gertrud Dürbeck vom Musikbüro Guttenberg betont. Geplante Konzerte wurden sämtlich abgesagt. Nur einmal noch wird die Chorgemeinschaft vor Publikum singen: Am 24. September findet eine von der Familie organisierte private Gedenkveranstaltung für Enoch zu Guttenberg statt. Die beiden Konzerte im Spiegelsaal waren damit die letzten öffentlichen Auftritte der Chorgemeinschaft, die als einer der besten Laienchöre der Welt gilt.
Nun stellt sich freilich die Frage nach der Zukunft der Herrenchiemsee-Festspiele, von Guttenberg gegründet und entscheidend geprägt. Hier ist alles noch offen.
Die Konzertreihe ist am Sonntag mit einem ausverkauften und umjubelten Auftritt des Chors und des Orchesters der „Klangverwaltung“ mit der 9. Symphonie von Beethoven zu Ende gegangen. Für die Konzerte waren mit Andrew Parrot, Karl Prokopetz und Roberto Abbado Ersatz gefunden worden. Ganz ersetzen lässt sich Enoch zu Guttenberg nicht. Sein Fehlen war überall zu spüren – und zu sehen: Im Treppenhaus stand auf einer Staffelei sein Bild, versehen mit einem Trauerflor.
6500 Besucher
kamen
Deutlich ist: Die Nachfrage ist da. Insgesamt waren die Konzerte hervorragend verkauft, es kamen etwa 6500 Zuhörer. Die Karten für das Beethoven-Konzert waren innerhalb eines Tages weg. Das Konzert unter dem Titel „1939“ fand anfangs weniger Zuspruch, war am Ende aber doch fast voll, weniger gefragt war das Gesprächskonzert, in dem Enoch zu Guttenberg Mozart-Briefe hätte lesen sollen, was dann der Schauspieler Gert Anthoff übernommen hatte.
Der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner, der das Abschlusskonzert besucht hat, sitzt im Kuratorium der Festspiele und will sich intensiv um weiteren staatlichen Zuschuss bemühen. 55 Prozent der finanziellen Aufwendungen übernimmt bislang der Freistaat. Der Etat soll rund 1,2 Millionen Euro betragen. Negative Signale aus dem Kultusministerium gibt es bislang nicht. Doch die Landtagswahlen könnten eine neue Situation schaffen.
Würden die Konzertbesucher gefragt, wäre die Antwort einfach: Die meisten baten inständig, manche mit Tränen in den Augen, um die Fortsetzung dieser Festspiele.
Siehe auch
Interview rechts.