„Festivo“

Harmonie und Hektik

von Redaktion

Kontrastreiches Konzert im Foyer von Schattdecor in Thansau

Rohrdorf – An diesem heißen Sommerabend wäre laut Bratschist Johannes Erkes ein Aufenthalt an einem Badesee oder im Biergarten durchaus eine Alternative gewesen, doch ließen sich die Karten, so der Festivo-Leiter schmunzelnd, nun ja nicht mehr umtauschen. Das Konzert im Foyer von Schattdecor entschädigte die zahlreichen Besucher für ihre Wahl reichlich, bot doch das Festivo ein anregendes musikalisches Programm: Neben Mozart und einem selten zu hörenden Spätwerk von Schumann spielte das Ensemble Stücke von Albéniz, Igor Strawinsky und Bartók.

Mit Mozarts Violinsonate in A-Dur KV 526 ließen Silke Avenhaus (Klavier) und Alexander Janiczek (Violine) die schweißtreibenden Temperaturen rasch vergessen. Das Molto allegro verbreitete eine Frische und Lebendigkeit, die das Publikum augenblicklich bannte. Der Dialog zwischen Violine und Klavier mit effektvollen, rasant perlenden Achtelläufen im Schlusssatz war von einer berückenden strahlenden Helligkeit, während das Andante Ruhe und Ernst kennzeichnete.

Flotte, melodische Rhythmen, die ein wenig an Kaffeehausmusik erinnerten, prägten den Tango op. 165 Nr. 2 von Isaac Albéniz und Fritz Kreisler. Silke Avenhaus und Alexander Janiczek gelang eine beschwingte Interpretation, die viel Beifall hervorrief. Mit den folgenden „Ragtimes“ von John Novacek zündeten die beiden Musiker ein funkensprühendes virtuoses Feuerwerk.

Igor Strawinskys genau vor 100 Jahren komponierte kleine Suite nach „ L´Histoire du Soldat“ für Violine, Klarinette und Klavier forderte von den Musikern höchste technische Präzision. Beherrschten den ersten Satz „The Soldier’s march“ kraftvoll-monotone Rhythmen, war „The Little Concert“ geprägt von chaotischen Dissonanzen. Klarinettist Reto Bieri faszinierte die Hörer immer wieder mit rasend schnellen, elegischen Tonfolgen. Mal schlug Janiczek mit dem Geigenbogen auf die Saiten, mal spielte Avenhaus stampfende Klavierakkorde. Irritierend wirkte der Finalsatz mit stöhnenden, ächzenden Violinpassagen, in dem der Teufel den Soldaten fiedelnd in die Hölle treibt.

Eine große melodische Fülle besaß das sogenannte „Kegelstatt-Trio“ in Es-Dur KV 98 von Mozart. Bratschist Johannes Erkes bildete in diesem Werk mit Klarinette und Klavier schon im Andante eine beglückende klangliche Einheit. Im abschließenden Allegretto betörten die Hörer lebhafte Klarinettenläufe, funkelnde Klaviertriller und ein geschmeidiger, klangsatter Ton der Bratsche.

Robert Schumanns „Märchenerzählungen“ op. 132 für Klarinette, Viola und Klavier waren gar nicht so spröde, wie sie Erkes ankündigte. Das Spätwerk besticht durch den Wechsel von lyrischen, träumerisch-verklärten und ernsten, aufwühlenden Passagen, die von den drei Musikern mit großer Spielfreude, Leidenschaft und Einfühlung zum Erklingen gebracht wurden. Die „Märchenerzählungen“ bildeten gleichsam ein klug gewähltes musikalisches Tor zu Bartók. Dessen „Kontraste“ für Violine, Klarinette und Klavier verlangten von den Hörern zu vorgerückter Stunde hohe Konzentration. Hektische Dissonanzen, beschwörende Klarinettentöne und wirbelnde Violinpassagen steigerten sich zu einem explosiven Finale, für das die Musiker stürmischen und langen Beifall erhielten.

Artikel 4 von 11