Und über allem die Musik von Bach

von Redaktion

Letzter Orgelmittwoch der Saison

Kolbermoor – Den letzten „Orgelmittwoch“ dieser Saison in der Kirche Wiederkunft Christi in Kolbermoor bestritt ein gebürtiger Rosenheimer: Michael Anderl, geboren 1980, hat am Ignaz-Günther-Gymnasium Rosenheim Abitur gemacht und wurde nach seinem Studium der Kirchenmusik und der Theologie Stiftskapellmeister der Zisterzienserabtei Stams in Tirol.

Sein Programm gipfelte im großartigen Präludium und Fuge e-Moll BWV 548, das wohl kunstvollste der Leipziger Werke dieser Art. Alle anderen Programmpunkte davor schienen dagegen wie Fingerübungen zu sein: schulmäßig fortlaufend die Canzona F-Dur von Christian Erlbach (um 1570 bis 1635), sehr schulmäßig, dafür schwungvoll gespielt, die Doppelfuge e-Moll von Johann Georg Albrechtsberger (1736 bis 1809), munter dahinsprudelnd auf zwei Manualen die Invention e-Moll von Michael Anderl selbst, eine „Bach-Stilkopie“, wie der Organist anmerkte. Sehr kontrapunktisch, nur in kühlem und herb-modernem Tonfall, war der langsame Satz aus der Orgelsonate Nr. 2 von Paul Hindemith (1895 bis 1963), „ruhig bewegt“ lautet die Tempo-Angabe dieses sich im Sechs-Achtel-Takt wiegenden Stücks, Anderl nahm es mehr bewegt als ruhig. Über allem aber stand Bach: Majestätisch feurig begann Anderl das Präludium mit den vielen ineinandergreifenden Teilstücken, hurtig lief die Fuge ab, die Anderl ein bisschen besser hätte akzentuieren können. Die virtuosen Passagen gingen ihm leicht von der Hand, das Ende zündete noch einmal richtig, sodass der Beifall schnell aufbrandete.

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