„Dramasuri“

„Ich wollte nur witzig sein!“

von Redaktion

Theaterfestival im Priener Eichental startet höchst erfolgreich mit einem französischen Boulevard-Stück

Prien – Kann man sich ernsthaft über die Wahl eines Vornamens zerstreiten? Ja – wenn der gewählte Vorname der eines der blutrünstigsten Diktatoren ist und wenn dabei sämtliche Lebenslügen und private Geheimnisse offenbar werden. Mattieu Delaporte und Alexandre de la Patellière haben aus diesem Lärm um eigentlich nichts ein sehr erfolgreiches Theaterstück gemacht mit dem Titel „Der Vorname“. Zwei Ehepaare und ein gemeinsamer Freund treffen sich, trinken Rotwein, essen marokkanische Spezialitäten und streiten dabei ausgiebig, wortreich, spitzfindig und treffsicher, was die psychischen Schwächen des anderen angeht.

Mit dieser Eigenproduktion ist das Theaterfestival „Dramasuri“ in seine zweite Spielzeit gestartet, wieder im pittoresken Zirkuszelt, das im lieblichen Eichental in Prien aufgebaut ist.

Michael Feuchtmeir aus Rimsting hat als Regisseur dafür gesorgt, dass die Komödie gut geölt abschnurrt, dass der Raum variabel genutzt wird, dass Tempo und Timing stimmen (nur manchmal stocken manche in den komplizierten Sätzen) und dass die Pointen sitzen. Das Publikum im ausverkauften Zelt hat oft Grund zum schallenden Lachen und seufzt erschrocken mit, als ein Geheimnis in die falsche Richtung abzudriften droht.

Ein Intellektuellen- und ein Geschäftsehepaar und ein Posaunist denken und argumentieren um fünf klugscheißerische Ecken, heizen den Streit bis zum Ehekrach und sogar bis zu einer Schlägerei auf. Was wie eine intellektuelle Kontroverse um einen Vornamen („Der Vorname ist ein Glaubensbekenntnis!“), um Worte und Begriffe beginnt, entwickelt sich zum Kommunikationskollaps nach dem Motto „Du kannst mich nicht verstehen!“ und gipfelt schließlich in einem psychischen Entblößungsspiel.

Hauptstreitanheizer ist Vincent, ein grausamer Seelenbrutalo und Immerspieler, der das Spiel in Gang setzt. Sebastian Scheuthle trumpft macho-haft, genüsslich-breitbeinig und großspurig-schulterklopfend auf. „Ich wollte nur witzig sein“, ist seine Entschuldigung. Seinen Hauptgegner, den Literaturprofessor Pierre, gibt Sebastian Knözinger mit ausgefeilter Diktion und kräftigen Dauerzornfalten in Stimme und Gestik. Der anfangs programmatisch zurückhaltende Leisetreter und Allesversteher Claude, gleichsam Sidekick der Streithälse, wird in der Gestaltung durch Andreas Schwankl zum Sympathie-Sammler und heimlichen Handlungszentrum. Anteilnehmende Stille herrscht im Publikum, als er sein – einzig schönes – Geheimnis in einer poesievollen Erzählung preisgibt.

Als dauerkochende Hausfrau Elisabeth gerät auch Christine Heimannsberg am Schluss in gehörige Zorneswallung ebenso wie – etwas weniger wirksam – Lilian Mazbouh als Vincents Frau, deren kommendes Kind ja der Hauptanlass des Streits ist. Das letzte Wort hat – natürlich – Vincent: „Heute Abend hatten wir wieder mal richtig Spaß.“ Das höchst amüsierte Publikum auch.

Gelegenheit zum Spaßhaben gibt es noch fünfmal: Am Sonntag, 5., Montag, 6., Mittwoch, 8., und Donnerstag, 9. August, jeweils um 20 Uhr im Zirkuszelt im Priener Eichental, zugänglich vom Parkplatz in der Beilhackstraße über die Dr.-Knorz-Straße. Karten gibt es exklusiv bei Servus Heimat, Bahnhofstraße in Prien oder eine Stunde vor der Veranstaltung an der Theaterkasse. Kartenreservierung geht auch online unter www.dramasuri.de.

Artikel 3 von 10