In Immling lag die Liebe in der Luft

von Redaktion

„Che bella cosa“ („Was für eine schöne Sache“) – mit diesen Worten beginnt das legendäre Lied „O sole mio“ von Eduardo Di Capua. Und dieses Prädikat kann sich der gleichnamige Abend auf Gut Immling auch ans Revers heften. Unter dem Titel „O sole mio“ begeisterten sieben Künstler mit auserwählten Beiträgen.

Halfing – Liebe lag in der Luft an diesem Abend. Besonders Tenor Aliamad Ibrahimov – ein guter Bekannter auf der Immling-Bühne – berührte mit den Liebesschwüren „Du bist die Welt für mich“ und „Ti voglio tanto bene“. Seine Bescheidenheit und zurückhaltende Gestik verliehen dabei seiner Stimme und der Bedeutung der Worte Freiraum.

Verliebte Blicke gab es auch bei Zachary Wilsons jugendlich-verschmitzten Darbietungen. Der amerikanische Bariton verführte romantisch-sehnsüchtig mit „Cinema Paradiso“ und aus „My Fair Lady“ auf Deutsch mit „In dieser Straße, mein Schatz, wo Du lebst“. Sein „Wenn auch die Jahre enteilen… Es war einmal“ aus Paul Linckes „Im Reiche des Indra“ erinnerte an ein immer seltener werdendes Gut: die Beständigkeit.

Ein steter Garant für herausragende Leistungen ist Mario Zhang. Der Tenor ergatterte unter anderem mit „Torna a Surriento“ die ersten „Bravo“-Rufe des Abends und entführte gesanglich auf eine Piazza von Sorrent, wo er die Rückkehr seiner Geliebten herbei sang. Der Schmelz seiner Stimme kam besonders bei Puccinis „E lucevan le stelle“ zur Geltung.

Denn mehr als einen Flügel sowie eine oder mehrere gute Stimmen braucht es nicht, um für ein Klangerlebnis zu sorgen. Einen entscheidenden Anteil daran hatte Pianistin Kamila Akhmedjanova. Sie war die heimliche Chefin auf der Bühne und leitete wieder einmal „ihre“ Sänger charmant und mit Fingerspitzengefühl durch den Abend.

Für die humorige Note und eine „ernsthafte“ Konkurrenz für den Chor von Immling sorgte das Duo „Solemio“. Die beiden Musiker, gekleidet als Gondoliere mit rot-weiß gestreiften Hemden und Strohhüten, animierten die Besucher zum Mitsingen und so formierten sie den Immlinger Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“. Da wurde mitgesummt oder auf Deutsch beziehungsweise Italienisch – zumindest der Refrain – mitgesungen. Die Einblendung des Textes wäre hier das i-Tüpfelchen gewesen.

Leuchtend, nicht nur durch ihr blaues Kleid, sondern ihre Ausstrahlung war Rachel Croash. Sie intonierte „Somewhere over the Rainbow“ so einfühlsam, wie sie „The Girl in 14G“ kokett darbot. Gerade bei Letzterem wechselte sie fließend und gekonnt zwischen Klassik, Jazz und Swing hin und her. Zusammen mit Bariton Wilson verkörperte sie George Gershwins „Porgy und Bess“ eindrucksvoll.

Den zweiten weiblichen Part bildete heuer Anastasia Churakova. Die Sopranistin bestach stimmgewaltig und glockenklar mit „The Man I love“ sowie „Think of me“ aus dem Musical „Das Phantom der Oper“. Sie wirkte zunächst ein wenig steif bei ihren Darbietungen. Doch zusammen mit Tenor Jenish Ysmanov bei „Time to say Goodbye“ blühte sie auf.

Der junge Mann aus Kirgisistan war als Solist mit „A vucchella“ oder „Caruso“ schon überaus beeindruckend. Doch sein schauspielerisches Talent und sein Können kamen besonders im direkten Vergleich zur Geltung. So war „Core‘ngrato“ mit allen männlichen Stimmen sein Glanzlicht. Den Tenorreigen komplettierte an diesem Liederabend Le Wang. Vor allem einfühlsam waren seine weich gesungenen Darbietungen.

Nach mehreren Zugaben entließen die Akteure die Festivalbesucher sinnigerweise mit dem neapolitanischen Lied „Funiculì, Funiculà“. Pfeifend und teils den Refrain singend, verließen die Gäste das Gelände gen Auto, Bus oder Festzelt: „Fu-ni-cu-li, fu-ni-cu-là. Fahr’n wir, fahr’n wir.“

Artikel 5 von 6