Festivo

Verschlungene Pfade auf fast leerer Bühne

von Redaktion

Die Oper „Don Pasquale“ von Gaetano Donizettis „im Taschenbuchformat“ in Hohenaschau

Aschau – Oper boomt in der Region: In Erl wandert Wotan durch Wagners gigantisch dimensionierten Ring, Immling und Amerang wollen nicht zurückstehen mit großen Emotionen. Dazu gesellen sich noch ambitionierte Produktionen in Maxlrain oder Georg Hermannsdorfers „Erlesene Oper“. Nur Festivo in der Festhalle Hohenaschau bietet Musiktheater „im Taschenbuchformat“: Keine Kulissen, keine Kostüme, das Orchester reduziert auf Streichquartett plus Ziehharmonika. Eine halbe Portion? Keineswegs! Wer des allzu progressiven Regietheaters an den großen Häusern überdrüssig geworden ist, wird in Aschau bestens entschädigt. Natürlich eignet sich dazu nicht jedes Werk, aber Gaetano Donizettis „Don Pasquale“ ist dem Aschauer Konzept auf den Leib geschneidert.

Don Pasquale (Marcus Weishaar), deutlich angegrauter Single, möchte doch noch in diesem Leben die Wonnen des Ehestands kosten. Sein Hausarzt und junger Freund Dr. Malatesta (Thomas Schütz) offeriert ihm zu diesem Behufe seine angebliche Schwester. Die sei brav, spar- und fügsam.

Tatsächlich ist diese falsche Schwester aber eine junge, mittellose Witwe, auf die Don Pasquales Neffe Ernesto (Andreas Stauber) in ernster Absicht ein Auge geworfen hat. Der Onkel legt sein Veto ein und möchte zugleich Ernesto aus dem Hause ekeln, denn die von ihm selbst avisierte Ehefrau und der parasitäre Neffe unter einem Dach, nein, das geht nun wirklich nicht! Diese Konstellation bietet explosives Konfliktpotenzial.

Akkordeon zusammen mit Streichern

Schon die Ouvertüre entzückte durch quirlige Transparenz. Faszinierend, wie farbig und doch unaufdringlich sich das Akkordeon (Alexander Kuralionok) in den Klang der Streicher einfügte. Die Violinen (Tanja Conrad und Georg Roters) und das Cello (Anna Khubashvili) erzeugten in permanentem Einsatz orchestrale Fülle, und blieben doch einer agilen Geschmeidigkeit nichts schuldig. Die Bratsche muss allerdings extra hervorgehoben werden: Johannes Erkes, der zupackende Organisator von Festivo, ist zunächst Instrumentalist hohen Ranges, bei Bedarf (falscher) Notar und auch noch souveräner Conferencier. Die völlig frei gesprochenen, unglaublich pointierten Erläuterungen waren nicht nur eine amüsante Hilfe für den Hörer, um dem Plot auf der Spur zu bleiben, sondern gewissermaßen konstituierendes Element dieser inspiriert reduzierten Taschenoper.

Nur drei – freilich sehr unterschiedliche – Herren bevölkern die Szene: Bassist Marcus Weishaar als reicher, aber vom intriganten Bariton Thomas Schütz mit mühelos geführter Stimme leicht um den Finger zu wickelnder Tolpatsch verliert den Überblick, sobald weibliche Reize ins Spiel kommen.

Weishaar agierte stimmlich virtuos und ließ dank seines warmen Timbres die Titelfigur nie zum Clown werden. Thomas Schütz, auch als Lied- und Oratoriensänger hochgeschätzt, wusste den intelligenten Weltmann zu geben, trotz seiner Tricks kein „Malatesta“! Als dann die vermummte Klosterschülerin endlich ihren Schleier lüftet, bringt Don Pasquale nur ein dröhnend dümmliches „La Bomba!“ über seine Lippen…

Andreas Stauber als Neffe Ernesto und scheinbarer Verlierer wird gerade noch rechtzeitig aufgeklärt, dass Malatestas Komplott zum Ziel hat, ihn wieder an die Fleischtöpfe des Onkels zu bringen, inklusive seiner nun zur Heirat freigegebenen geliebten Norina. Inzwischen erging er sich in melancholischer Resignation und erfreute das Publikum mit lyrisch abgetöntem Belcanto.

Norina, nach unterschriebenem Ehekontrakt, gebärdet sich aber erst noch (wie ausgeheckt) als maßlos forderndes Eheweib und macht Don Pasquale die Hölle heiß. Johannes Erkes zog die Parallelen zur Realität: „Es ist klar, dass Frauen auch im wirklichen Leben den Männern die Hölle heiß machen – können!“

Mit suggestiver Bühnenpräsenz

Norina ist also die einzige weibliche Rolle, die es jedoch an Temperament mit den drei männlichen Charakteren locker aufnehmen kann. Die Koloratursopranistin Agnes Preis gestaltete ihre Gefühlsregungen und -ausbrüche mit stimmlicher Meisterschaft und suggestiver Bühnenpräsenz, ein Teufelchen mit Charme und Krallen. Versöhnlich, dass die Dame doch schließlich auch Mitleid mit dem düpierten Schwerenöter empfindet und dieser gute Miene zum nicht ganz lauteren Spiel macht. Somit steht dem obligaten Happy End nichts mehr im Wege …

Auch dem glücklichen Verlauf des Abends stand nichts im Weg: Das Publikum folgte entspannt und neugierig den verschlungenen Pfaden dieser heiteren Aktion. Den Bühnenhintergrund beherrschte eine malerische Ansicht von Schloss Hohenaschau mit Blick ins Sachranger Tal. Man durfte mit einiger Fantasie das in dieser Richtung liegende ferne Rom erahnen, den Originalschauplatz dieser reizend unbeschwerten Oper.

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