Prien – „Ad maiorem Dei gloriam – Zur größeren Ehre Gottes“ ist die Sonderausstellung im Heimatmuseum Prien überschrieben, die anlässlich der Weihe der gotischen Priener Pfarrkirche vor 500 Jahren gezeigt wird. Eine Devise, die neben der Ehrfurcht vor Gott vor allem eines beinhaltet: den „Bauwurm“, wie die Krankheit bezeichnet wird, die Geistliche und Adelige in den vergangenen Jahrhunderten zuhauf befallen hatte, den Bürgern aber prächtige Kirchen, Klöstern und Schlösser beschert hat, die heute zum großen Kulturerbe zählen.
Es ist weitgehend unbekannt, dass nicht der Barock, sondern die Gotik die baufreudigste Zeit war, dass im 15. Jahrhundert mehr Kirchenbauten entstanden als im 17. und 18. Jahrhundert zusammen.
Rotmarmorstein
zum Gedenken
Im Jahr 1518 weihte der Bischof von Chiemsee, Berthold Pürstinger, auch die Priener Pfarrkirche neu. Ein großer Rotmarmorgedenkstein zeugt bis heute von diesem Umbau. Mit Sicherheit wurde damit ein größeres Bauprojekt, vermutlich eine Neuwölbung, abgeschlossen. Der Grundriss dieser gotischen Kirche ist im heutigen Kirchenbau von 1736 bis 1738 noch enthalten. Die Außenansicht von Osten verweist auf einen vermeintlich gotischen Chorabschluss. Nach Plänen aus der Barockzeit war die gotische Priener Kirche ein dreischiffiger Bau mit Pfeilern und glich im Wesentlichen der Pfarrkirche Grassau.
Die umfassende Ausstellung im Heimatmuseum Prien gibt nun einen gerafften Überblick über die Geschichte und Kultur einer bedeutenden Landkirche und Pfarrei, die erst spät, in der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts, entstand und deren Frühgeschichte weitgehend im Dunkel liegt. Anzunehmen ist, dass sie aus Teilen der Urpfarrei Söllhuben sowie der Klosterpfarrei Herrenchiemsee entstand.
Als Pfarrer wird um 1184 erstmals ein „Eberwinus, plebanus de prienne“ in einer Urkunde genannt. Bis Ende des 17. Jahrhunderts war Prien eine der geografisch ausgedehntesten Pfarreien Südostbayerns, die von Rimsting bis Sachrang mit einer Ausdehnung von rund 25 Kilometern reichte. Bis 1680, als die Pfarrei Aschau abgetrennt wurde, gehörten dazu zwölf Filialkirchen. Als Kirche der adeligen Herrschaften Hohenaschau und Wildenwart hatte Prien immer eine bedeutende Stellung auch als Begräbnisort der Gerichtsherren, wie der bedeutende spätgotische Rotmarmorgrabstein des Wolf Hofer auf Urfahrn und Wildenwart von circa 1530 bezeugt.
Kosten akribisch dokumentiert
Vom Bauwurm befallen war auch der aus Ettenhausen bei Schleching stammende Pfarrvikar und spätere Herrenchiemseer Propst Floridus Rappel, der den barocken Kirchenneubau 1734 bis 1738 forcierte. Bestens überliefern die Rechnungsbücher der Pfarrkirche Prien die Ausgaben und Einnahmen, vor allem aber auch die Kreditaufnahme zum Bau. Genau dokumentiert sind die Handwerker und Künstler die am Bau tätig waren, wie auch die Kosten für deren Verpflegung und Unterkunft.
Die ersten Bauabsichten datieren schon in das Jahr 1731, als die Kirche für zu eng und zu dunkel befunden wurde. Doch erst 1734 kam es zu den endgültigen Plänen. Da inzwischen auch der Turm für baufällig befunden wurde, plante man nun eine Verlängerung der Kirche nach Westen.
Spektakuläre Turmverschiebung
1735 begannen die Arbeiten mit der Aushebung der Fundamente für den neuen Turm, dem Abbruch des Dachstuhls und des alten Gewölbes sowie der Seitenmauern bis auf eine Höhe von rund zwei Metern. 1736 wurden die neuen Seitenmauern und der neue Turm aufgesetzt sowie die spektakuläre Turmverschiebung durch den Achtaler Zimmerermeister Christian Raab durchgeführt, ehe 1737 zunächst der Chor und die beiden Sakristeien erbaut und 1738 das Gewölbe ausgeschlagen wurden. Im gleichen Jahr vollendete Johann Baptist Zimmermann mit seinen beiden Söhnen und weiteren Mitarbeitern die Stuckatur und Ausmalung der Kirche. 1739 erstellte Georg Doppler aus Salzburg die Seitenaltäre und im folgenden Jahr den Hochaltar aus Untersberger Marmor.
Mit rund 25000 Gulden waren die Kosten für den Neubau und die Ausstattung der Priener Pfarrkirche ausgesprochen hoch. Wer finanzierte dieses gewaltige Projekt? Der größte Teil stammte aus dem Vermögen der Filialkirchenstiftungen, wobei insbesondere die Kassen der beiden Wallfahrtskirchen St. Florian und St. Salvator „geplündert“ wurden.
Die Kassen der Filialkirchen waren nun leer, das Geld knapp. Die Finanzierung zog sich deshalb noch einige Zeit hin. Propst Floridus selbst erlegte 2500 Gulden, der Unterwirt von Prien 800 Gulden und der Wirt von Mauerkirchen 700 Gulden. Die Priener Kirchengemeinde sammelte im Jahr 1739 für die 14 Kreuzwegbilder 325 Gulden. Und: Der Kirchstuhlverkauf im Jahr 1741 erbrachte immerhin auch 527 Gulden. Zum Vergleich: Ein Maurer bekam 1738 beim Kirchenneubau Ottobeuern in der Woche zwei Gulden.
Langwierige Finanzierung
Zentralen Anziehungspunkt bildet heute das 200 Quadratmeter große Deckengemälde mit der Seeschlacht von Lepanto des Münchner Hofkünstlers Johann Baptist Zimmermann, dessen Ikonografie auf die bedeutende, 1639 eingeführte Priener Rosenkranzbruderschaft zurückgeht. Rund um dieses sind in den kleinen Kartuschen die Patrone der zur Pfarrei Prien gehörigen Filialkirchen dargestellt.
Das eher ungewöhnliche Bildprogramm ist wohl aber nicht in der Tatsache zu suchen, dass sich die Filialkirchen massiv an den Kosten des Kirchenbaues beteiligten, sondern sollte wohl eher die Verbundenheit der Mutterkirche Prien mit ihren Filialen dokumentieren. Gerade in der heutigen Zeit mit der Gründung der Pfarrverbände gewinnt dieses Bildprogramm wieder an Aktualität.
Selbst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden noch Pläne zur Kirchenerweiterung geschmiedet. Ein erster Grundriss aus dem Jahr 1905 zeigt eine geplante Erweiterung nach Osten, bei der der bestehende, heutige Chor mit den beiden Sakristeien abgerissen werden sollte, um an das Langhaus ein Querschiff mit Vierungskuppel anzufügen. Daran sollte sich ein neuer Chor anschließen. Die Planung stammte von dem Münchner Architekten Max Ostenrieder, der zur gleichen Zeit die Pfarrkirche Niederaschau um Nordturm und Presbyterium erweiterte und auch der Burganlage von Hohenaschau wesentliche Gebäudeteile zufügte.
Neue Pläne inmitten der Kriegswirren
Die nächsten Überlegungen, die Kirche zu vergrößern, um dem „aufstrebenden und emporblühenden Markt Prien mit seinen vielen Sommergästen“ (Regierungsbaumeister Hans Hintermayer) gerecht zu werden, wurden einige Jahre später unternommen. Mitten im Ersten Weltkrieg, im Jahr 1916, entstanden weitere Pläne und Modelle.
Das Langhaus sollte um Seitenschiffe, die etwa zwei Drittel der Langhaushöhe erreichen, und mit jeweils einem gedrungenen oktogonalen Treppenturm bereichert werden. Man darf heute von Glück sprechen, dass beide Bauvorhaben in den Wirren dieser Zeit nicht vollzogen werden konnten.
Dass die Modelle die vergangenen 100 Jahre überdauert haben, ist ein kleines Wunder. Sie sind in der Ausstellung erstmals öffentlich zu sehen. Ebenso wie mittelalterliche Urkunden aus dem Pfarrarchiv, Schatzkammerstücke aus der Priener Sakristei oder den Tragefiguren der Rosenkranzbruderschaft, die 1736 beim Rosenheimer Goldschmied Adam Schneider eine Silberfigur der Immaculata bestellte, die heute zu den Prunkstücken bayerischer Goldschmiedekunst des 18. Jahrhunderts zählt.