Serie „VON ORT ZU ORT“

Steinige Suche nach der Herkunft

von Redaktion

Im Blickpunkt: Neues zu „Steinreb“ und Klammenstein

Bad Feilnbach/Nußdorf – Kann der Klimawandel, der gegenwärtig nicht zuletzt wegen des heißesten Sommers seit 2003 in aller Munde ist, unter anderem auch für die Erklärung eines Ortsnamens herangezogen werden?

In der letzten Folge dieser Serie blieb die Erklärung des Namens Steinreb offen. Am wenigsten Anklang fand dabei die mögliche Herleitung von der Weinrebe. Der Weinanbau an einem steilen, felsigen Abhang, der sich an der Straße von Au nach Kematen erhebt, ist nach heutiger Sichtweise wenig plausibel. Aber kaum war der Artikel erschienen, erfolgte eine Stellungnahme der Besitzerin des Freizeitstalls Steinreb, Valerie Konrad. Die Gutsbesitzerin betreibt in höchst idyllischer Lage einen Reiterhof. Gegenwärtig betreut sie Ferienkinder, die auf Steinreb das Pony-Reiten lernen oder ausüben können.

Sie schrieb: „Das ‚reb‘ von Steinreb sind die Weinreben“. Außerdem, so Konrad, sei Steinreb schon 1603 erwähnt und habe zur nahen Burg Altenwaldeck gehört. Heutzutage ist Steinreb aber nicht wegen der Produktion von Wein, sondern wegen seines Freizeitstalles bekannt. Doch wie könnte sich in Sachen Weinrebe die klimatische Situation in vergangenen Jahrhunderten gestaltet haben?

Klimatische

Situation

Nördlich der unterfränkischen Hauptstadt Würzburg gibt es die Weinbaulage „Würzburger Stein“. Der Stein ist hier ein abschüssiges Gelände, auf dessen Muschelkalkboden die größte zusammenhängende Einzelweinbaulage Deutschlands existiert. „Im Weinkeller des Bürgerspitals“, so das Internet-Lexikon Wikipedia, „lagert ein 1540er Steinwein, der seine Qualität als ‚Jahrtausendwein‘ der Dürre in Mitteleuropa 1540 verdankt“.

Hieraus folgern wir: Auf Grund der besonders warmen klimatischen Situation im 16. und 17. Jahrhundert war der Weinanbau auch in unserer südbayerischen Region keine Seltenheit. Somit spricht im Falle von Steinreb nichts gegen die Herleitung von der Weinrebe: „Weinrebe am Fels“.

Ein weiteres geheimnisvolles Stein-Wort ist Klammenstein in der Gemeinde Nußdorf. Dieser Name bezeichnete „eine vollkommen verschwundene mittelalterliche Burg, die den Herren von Klammenstein, Ministerialen der Grafen von Falkenstein gehörte“, wie der Heimatforscher Dr. Josef Bernrieder schreibt. Im Falle von Klammenstein ist, anders als bei Steinreb, der Stein nicht das Bestimmungs-, sondern das Grundwort im Namen.

„Mittelhochdeutsch Stein“ bedeutet hier, so Bernrieder, „Fels-, Felsen- und Bergschloss, Feste“. Das Bestimmungswort mittelhochdeutsch „Klamme“ bezeichnet, so Bernrieder, „Beklemmung, Beengung, Bergschlucht, Talenge“. Die Gesamtbedeutung sei demnach „Burg über der Enge der Steinbachschlucht“.

Übriggeblieben ist 1612 von der Burg nur ein Häusl des Hans Grueber von „Klafferstein“. Man hatte, so Josef Bernrieder, den Namen „Klammenstein“ nicht mehr verstanden: 1180 noch „Chlammensteine“, 1300 „Chlamsteine“, 1296 „Wolfger der Clainsteinaer“, und dann halt „Klafferstein“. Zumindest da zeigt sich: Namen sind – manchmal – nur Schall und Rauch!

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