Edling – Das oft beschworene Sommerloch mag es in der Politik geben, sicher nicht im kulturellen Bereich: Die Festivals tummeln sich landauf, landab, und wo noch ein bisschen Luft bleibt, werden in der Region reihum Meisterklassen präsentiert.
Schon seit einigen Jahren residiert Frau Professor Maria Egelhof mit ihren Violin-Eleven in Schloss Penzing, um ihre Meisterklasse zur Konzertreife aufzupolieren. Die Ergebnisse dieses eifrigen Bemühens durfte ein breiteres Publikum im großen Studio des Leiters des Madrigalchors „Concenti musicali“ in Edling bewundern.
Gefühlsselige Canzonetta
Ein Dutzend Studentinnen, dabei nur ein einziger männlicher Geiger, bestritten ein reichhaltiges Programm, das naturgemäß nur Häppchen bieten konnte, von der innigen Sarabanda aus der Partita d-Moll von Bach über die gefühlsselige Canzonetta aus Tschaikowskys populärem Violinkonzert D-Dur bis zum hemmungslos virtuosen Rondo capriccioso eines Camille Saint-Saens.
Mit von der Partie waren die Dozenten: der Cellist Philipp Bosbach, die Geigerin Barbara Hefele und Yoko Yamada, das „Mädchen für alles“: Als ebenbürtiger Partner hatte die Pianistin das gleiche Soll an virtuoser Akrobatik zu erfüllen wie die Solisten!
Es ist nicht möglich alle Namen zu nennen (die jüngsten Teilnehmer zählten gerade mal 15 Jahre!), obwohl auf durchweg hohem Niveau musiziert wurde. Ein paar Highlights seien trotzdem herausgegriffen. Wahrhaft „mit leidenschaftlichem Ausdruck“ (so die Satzbezeichnung) erfasste Johanna Melchiori mit weichem, volltönendem Spiel die Intentionen Robert Schumanns.
Abschließendes Feuerwerk
Hyoyeon Kim machte aus dem Finale von Max Bruchs beliebtem g-Moll-Violinkonzert einen rauschhaften Tanz. „Introduction et Rondo capriccioso“ von Saint-Saens war dann das abschließende Feuerwerk. Mixia Kang stürmte mit heißem Blut, aber beherrschtem Kalkül durch das effektvolle Werk des klassizistischen Franzosen – ein Fall für den „Großen Preis von Monte Carlo“.
Kuppinger mit Doppelbegabung
Eine Besonderheit: Die Doppelbegabung Sarah Kuppinger – sie trat bereits als Geigerin auf – bewies ihre Gesangskunst mit einer Arie von Georg Friedrich Händel. Suggestiv in Mimik und Gestik ließ sie durch ihre sehr lebendige, farbige und auch in der Höhe blühend strahlende Stimme aufhorchen. Lautstarker Beifall der Hörer.