Bruckmühl –Schon über sechs Auflagen hat Kiem Paulis „Sammlung Oberbayrischer Volkslieder“ bis heute erlebt. Mehr als 14000 Exemplare wurden verkauft. Die Erstauflage aus dem Winter 1934/35 wurde in einer nummerierten und von Kiem Pauli als Herausgeber signierten Auflage von insgesamt 600 Stück gedruckt. Die Auslieferung erfolgte ab Januar 1935.
Signierte Auflage
mit 600 Stück
Im Jahr 1982 – zum 100. Geburtstag von Kiem Pauli (1882-1960) – habe ich eine umfangreiche Untersuchung zu seinem Sammelwerk, seinen Gewährspersonen und Quellen vorgenommen, die in der Zeitschrift „Schönere Heimat“ des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege e.V. erschienen ist. Der Aufsatz kann in Kopie im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern (83052 Bruckmühl, Krankenhausweg 39) angefordert werden.
Wie Kiem Pauli im Nachwort seiner Sammlung schrieb, war er sich der Problematik bei der Herausgabe in Bezug auf die Volksliedpflege bewusst: „Gute Volkslieder wieder zu verbreiten ist sicher besser, als große Sammlungen, die meistens dem Volk selbst wegen des zu hohen Preises unzugänglich sind, in den Bücherschränken vermodern zu lassen. Wenn ich mich trotzdem zur Herausgabe dieses Buches entschlossen habe, so liegt der Grund darin, dass ich zeigen wollte, wie unser Volk und sein Lied heute aussehen, wie das Volk denkt und fühlt.
Liebe, Hass, Ernst, derber Spott und Humor und tiefe Religiosität findet man in seinem Lied. Lieber Leser, sei nicht böse, wenn die Dichtung manchmal sehr primitiv oder etwas derb ist, aber wir wollen doch die Menschen sehen, wie sie sind, mit ihren Fehlern und Vorzügen!“
Das Anliegen der Lebensschilderung der bäuerlichen Bevölkerung wurde auch durch die in die Erstauflage eingefügten Aquarelle von Thomas Baumgartner mit zu den Liedinhalten passenden Szenen aus dem ländlichen Umkreis verstärkt.
Persönliche Herzlichkeit spricht aus den Anmerkungen über die Gewährspersonen, wie sie unter den über 250 Liedern zu finden sind. Der Zwang des Erwanderns der Lieder wird deutlich, für Kiem ist er selbstverständlich. Aber auch die persönliche Bewertung seines Sammelmaterials mit Attributen wie „alt“, „gut“, „echt“ lässt auf ein emotionales Verhältnis zu „seinen“ Volksliedern schließen.
Seine Aufzeichnungen begann Kiem Pauli 1925 und 1926 in der Nähe seiner Wohnung bei den Wittelsbachern in Wildbad Kreuth und im Tegernseer Tal. Ab 1927 machte er sich mit dem Rad auf in die Dörfer im südlichen Oberbayern: Nach Waakirchen und in den Isarwinkel, nach Holzkirchen und ins Miesbacher Oberland. 1927 kam er in den Chiemgau nach Ruhpolding, Reit im Winkl und Inzell, 1928 in das Wössener Tal und ins Mangfalltal, beispielsweise nach Vagen, Bad Aibling und Au sowie in das Inntal nach Brannenburg, Oberaudorf, Niederaudorf und Kiefersfelden.
Im Verbreitungsgebiet des Oberbayerischen Volksblatts und seiner Heimatzeitungen hat Kiem Pauli bis 1932/33 viele Lieder aufgezeichnet. Manche Lieder aus der großen Sammlung bringen wir in der Volksmusikpflege des Bezirks Oberbayern wieder zum Klingen – ob auf mittlerweile bereits zehn CDs in möglichst originaler Aufzeichnungsform oder bei geselligen Singen.
Gemeinsames
Singen
Daher lädt das Volksmusikarchiv am kommenden Sonntag, 2. September, zum Beginn des Volksmusiknachmittags im Bauernhausmuseum Amerang ab 13 Uhr die Besucher zum geselligen Singen bayrischer Volkslieder ein.
Am Montag, 10. September, ab 19 Uhr will das Volksmusikarchiv in der „Wachinger Mühle“ in Winkl bei Neubeuern viele Lieder zum Gedenken an den Kiem Pauli aus seiner Sammlung singen: Die Besucher können das Liederheft mit 18 Liedern aus der Kiem-Pauli-Sammlung zum Preis von einem Euro mit nach Hause nehmen.