Interview

Englische Krimis aus dem Inntal

von Redaktion

Claus Beling, Autor und Fernsehjournalist, lässt seine erfolgreichen Krimis in Cornwall spielen

Claus Beling schreibt unter dem Pseudonym Thomas Chatwin.

Inntal – Claus Beling lebt seit beinahe 20 Jahren im Landkreis Rosenheim. Aus dem Genre Fernsehen hat sich der 69-Jährige zurückgezogen, pflegt aber weiterhin seine Leidenschaft für das Schreiben. Sein neuester Krimi „Post für den Mörder“ unter dem Pseudonym Thomas Chatwin ist auf dem Sprung in die „Spiegel“-Bestsellerliste, seine Reisereportagen über Cornwall erschienen unter anderem in der Zeitschrift „Merian“, und ab November startet sein Musical „Under Gemini“ („Wechselspiel der Liebe“) mit der Musik von Richard Blackford nach dem gleichnamigen Roman von Rosamunde Pilcher in einer Produktion der Komödie im Bayerischen Hof zu einer Tournee. Anlass genug, sich mit dem Schriftsteller, der als ZDF-Unterhaltungschef Vater der Idee für die „Rosenheim-Cops“ war und Formaten wie „Das Traumschiff“, „Rosamunde Pilcher“, „Inga Lindström“ und „Stubbe – von Fall zu Fall“ auf den Bildschirm verholfen hat, über sein Schaffen und seine Liebe zu Cornwall zu unterhalten.

Herr Beling, Cornwall ist auffallend oft Dreh- und Angelpunkt für Ihre Werke. Wieso ausgerechnet Cornwall?

Claus Beling: Cornwall habe ich schon in meinen Studententagen entdeckt und lieb gewonnen, und wenngleich die Grafschaft heute aufgrund des Strukturwandels wirtschaftlich nicht sehr stark ist, so ist doch seine Landschaft atemberaubend und seine Bewohner liebenswert. Sie pflegen ihre Eigensinnigkeit und selbst junge Cornishmen zieht es oftmals später wieder dorthin zurück. Natürlich haben die Verfilmungen Rosamunde Pilchers dazu beigetragen, Cornwall als Sehnsuchtsziel darzustellen. Gleichwohl wirkt Cornwall ursprünglich und nicht umsonst sind die Bewohner Cornwalls stolz auf ihre Heimat.

Sie sind mit Rosamunde Pilcher befreundet und haben mit ihr als erster Ausländer 2002 den British Tourism Award zuerkannt bekommen. Wie kam es zu Ihrer Freundschaft?

Ich habe 1992 für unsere erste Verfilmung Kontakt mit ihr aufgenommen („Stürmische Begegnung“ war die erste von bisher rund 140 Verfilmungen, Anmerkung der Redaktion) und seitdem pflegen wir eine enge Freundschaft. Besonders stolz bin ich darauf, dass sie mir auf dem Cover meines neuesten Krimis einige Zeilen gewidmet hat. Und dass ich sofort ihr Okay bekommen habe, dass ihr Roman „Under Gemini“ für das demnächst startende Musical mit Angelica Milster und vielen anderen bekannten Stars als Vorlage dient. Viele wissen ja gar nicht, wie viel trockener Humor in den Pilcher-Büchern steckt.

Man kennt Sie ja eher als Filmproduzent denn als Autor, zudem haben Sie einige Ihrer Krimis unter Pseudonym veröffentlicht. Müssen Sie sich verbergen?

Nein, nein, die Fernseh-Karriere ist ein anderer Teil meines Lebens, geschrieben habe ich mein ganzes Leben lang. Ich habe beispielsweise schon mit 20 erste Hörspiele verfasst. Das mit dem Pseudonym ist eher dem Buchmarkt als solchem geschuldet. Ein englischer Autorenname vermarktet sich halt leichter auf dem englischen Markt als ein deutscher, denn das Buch wird auch in England erscheinen.

Wie kommen Sie auf die Charaktere in Ihren Büchern? Haben Sie diese von Anfang an so geplant oder fließen da auch persönliche Begegnungen mit ein?

Da kommt vieles zusammen. Schon vor dem Schreiben entwickle ich den Romaninhalt sowie alle Figuren und Charaktere. Und natürlich fließen auch viel Lebenserfahrung und persönlicher Humor mit ein.

Interview: Elisabeth Kirchner

„Post für den Mörder“

„Post für den Mörder“ von Thomas Chatwin ist bei Rowohlt Polaris erschienen (ISBN 978-3-499-27445-9, 14,99 Euro). Der Krimi spielt in dem beschaulichen Küstenstädtchen Fowey an Cornwalls Südküste, aber plötzlich ändert sich alles, als Postbotin Daphne Mary Penrose entdeckt, dass das Haus der Malerin Sandra McKallan verwaist ist und gleichzeitig Daphnes Mann Francis eine Leiche aus dem Hafen fischt. Neben der spannungsgeladenen Handlung kommt auch die Beschreibung der Landschaft Cornwalls nicht zu kurz und persönliche Reisetipps am Ende des Buchs machen Lust aufs Entdecken Cornwalls. Das Musical „Wechselspiel der Liebe“ von Claus Beling mit der Musik von Richard Blackford nach dem gleichnamigen Roman von Rosamunde Pilcher ist eine Produktion der Komödie im Bayerischen Hof. Ehe es dort 2020 aufgeführt wird, geht es im Spätherbst dieses Jahres auf Tournee. In dem Stück dreht sich alles um die Liebe, ein schottisches Landhaus, eine Familie, die düstere Geheimnisse hegt, einen distinguierten britischer Butler und einen Zwilling, der sich für seine Schwester ausgibt...

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