Traunstein – Im zweiten Konzert der Traunsteiner Sommerkonzerte, in denen heuer polnische Komponisten im Mittelpunkt stehen, kamen Liebhaber des Kunstliedes auf ihre Kosten. Die junge Sopranistin Anna Lucia Richter zeigte in Liedern von Pauline Viardot-Garcia und Franz Schubert ihr ganzes Potenzial und machte zusammen mit dem Pianisten Nicholas Rimmer und dem Klarinettisten Blaž Šparovec, die mit Werken von Louis Spohr und Witold Lutoslawski das Programm abrundeten, das zweite Konzert des Kammermusikfestivals zu einem exquisiten Hörgenuss.
Mit drei Liedern („Wiegenlied“, „Das heimliche Lied“ und „Wach auf“) aus „Sechs Deutsche Lieder“ für Sopran, Klarinette und Klavier op. 103 von Louis Spohr erfreute Richter mit klarer, unverbrauchter Stimme. Obwohl Louis Spohr mit seinen Klavierliedern einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des deutschen Liedes geleistet hat, wurde sein Werk im Kunstlied des 19. Jahrhunderts von Musikgeschichte und Liedforschern weitgehend vernachlässigt. In seinen „Sechs Deutschen Liedern“ op. 103 kommt mit der Klarinette ein zusätzliches Instrument hinzu. Die Liedtexte stammen aus unterschiedlichsten Quellen, auch von sonst unbekannten Autoren. Seine Lieder verlangen vom Interpreten die hohe Kunst gesanglicher Deklamation – für Richter scheinbar ein leichtes Spiel.
Im Anschluss kamen die „Dance Preludes“ für Klarinette und Klavier von Witold Lutoslawskis zu Gehör. Das fünfsätzige, sehr kontrastreiche Werk basiert auf nordpolnischen Volksliedern und versprüht gute Laune, die sich nicht zuletzt auch durch die ansteckende Musizierfreude und große Virtuosität der beiden Musiker mehrte.
Weiter ging es mit „Drei Lieder für Sopran und Klavier nach Mazurken von Frederic Chopin“ von Pauline Viardot-Garcia. Die französische Mezzosopranistin war nicht nur eine der berühmtesten Sängerinnen ihrer Zeit, sondern auch eine respektable Komponistin. Aus ihren „Drei Liedern für Sopran und Klavier“ sprechen sicheres kompositorisches Handwerk wie auch sensible Einfühlung in den jeweiligen Charakter der ganz unterschiedlichen Textvorlagen. Die drei Lieder „Seize ans“, „Berceuse“, und „Aime-moi“ stellen stimmlich einen enorm hohen Anspruch, dem Anna Lucia Richter mit spielerischer Leichtigkeit gerecht wurde, wobei sie es nie an Ausdruck und Dynamik mangeln ließ. Das war Liedkunst erster Güte, die die Zuhörer zutiefst berührte.
Berührender Austausch
Ebenso verhielt es sich mit Nicholas Rimmers Klavierspiel, der mit seinem ganzen Körper die Emotion widerzuspiegeln vermag, die einst die Komponisten in ihre Werke gelegt haben. Kostprobe seiner Virtuosität gab Rimmer auch in der „Hommage a Chopin“ für Klavier von dem polnischen Komponisten Simon Laks. Ein „Ereignis“, das in den Zuhörern Freude auslöste und im zweiten Konzertteil noch durch das Mitwirken des Klarinettisten, der mit seiner wunderbaren Instrumentalstimme mit Richters Singstimme in berührenden Austausch ging, gesteigert wurde. Ein weiterer Höhepunkt waren die sieben Lieder von Franz Schubert in einer Interpretation von Richter und Rimmer. Mit Riesenapplaus und Bravo-Rufen bedankten sich die Zuhörer für ein Konzert, das in Erinnerung bleiben wird.