von Redaktion

1800 begeisterte Besucher im ausverkauften Kultur- und Kongress-Zentrum

Rainhard Fendrich in „Bio“-Qualität

Rosenheim – Rainhard Fendrich zählt zu den Legenden des Austropops. Bei seinem Auftritt in Rosenheim präsentierte er sich und seine Musik „unplugged“, also ohne elektronische Verstärkung oder – wie es der 63-jährige Sänger selbst ausdrückt – „bio“. Knapp drei Stunden dauerte das Konzert und am Schluss waren die rund 1800 Besucher gefühlt alle Österreicher: Lautstark und voller Inbrunst sangen sie „I am from Austria“ oder „Für immer ein Wiener“ mit.

Die Tournee „Für immer ein Wiener“, und damit auch der Auftritt in Rosenheim, waren eigentlich für das Frühjahr 2018 geplant gewesen. Weil die Tickets in einigen Regionen von Deutschland, Österreich und der Schweiz innerhalb weniger Tage ausverkauft waren, beschlossen Veranstalter und Künstler, die Tournee teils in größere Hallen zu verlegen und auf den Herbst zu verschieben.

Für das ebenfalls restlos ausverkaufte Konzert im Kultur- und Kongress-Zentrum hatten sich viele der Besucher ihre Eintrittskarten bereits vor eineinhalb Jahren gesichert. Umso größer war jetzt die Freude, als nun endlich die Zeit des Wartens vorbei war.

Das Alter macht sich auch bei Rainhard Fendrich bemerkbar. „Unplugged“ war da eine gute Wahl, denn statt temperamentvoller Bühnenshow stand die Musik im Mittelpunkt und in dieser Hinsicht kann der 63-Jährige aus dem Vollen schöpfen. 17 Studioalben mit rund 250 Liedern hat er bislang veröffentlicht und wurde dafür 28-mal mit Platin und 25-mal mit Gold ausgezeichnet.

Fans sangen

von Anfang an mit

„Wir haben bei der Auswahl der Lieder für diese Tournee in den ältesten, tiefsten und verstaubtesten Schubladen gesucht“, erklärte Fendrich schmunzelnd zu Beginn und erntete dafür gleich einmal einen Begeisterungssturm. Bis zu seinen ganz großen Hits, wie beispielsweise „Es lebe der Sport“ oder „Blond“ mussten sich die Zuhörer im Kuko aber bis zum Schluss der Vorstellung gedulden. Die vielen eingefleischten Fendrich-Fans im Publikum – überwiegend Damen – störte das nicht. Sie beherrschten auch die Texte der weniger bekannten Lieder mühelos und sangen von Anfang bis zum Ende alles begeistert mit.

„Seit 35 Jahren stehe ich nun schon auf der Bühne und die Großeltern von heute waren damals Teenager“, stellte Fendrich beim Blick ins Publikum fest. Mit seinen Fans ist auch der Künstler selbst gereift. Seine Lebenserfahrung fließt in die Texte seiner neueren Lieder mit ein. Es geht ums Älterwerden, die Angst vor dem Tod, aber auch um den Blick zurück auf Kindheit, Pubertät und erste Liebe. Fendrichs Lieder erzählen Geschichten, ergreifend etwa der Titel „Geisterbahn“. Fendrich erinnert sich darin, wie er als Kind mit seinem Großvater zum Prater gehen durfte und wie aus dem „Tod“ der Geisterbahn schließlich ein netter Kerl mit Maske wurde.

Gesellschaftskritische Töne

Reinhard Fendrich sparte an diesem Abend auch nicht an Kritik an Politik und Gesellschaft. Einige seiner alten Lieder wie „Tango Korrupti“ von 1989 erfreuen sich nach wie vor trauriger Aktualität. „Schwarzoderweiss“ zählt zu seinen aktuellen Stücken und wendet sich gegen Rassismus: „Die große Angst, der dumme Hass, kommt daher, wei ma z`wenig wass.“

Das Konzert des Wiener Künstlers war vor allem ein Abend der leisen, nachdenklichen Töne. Nur ganz am Schluss riss es die Zuhörer dann doch noch von den Stühlen. Viele stürmten bei den Zugaben sogar nach vorne, um Fendrich nah zu sein, als er seinen Auftritt mit seinem wohl beliebtesten Titel „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“ beschloss.

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