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von Redaktion

Das Ensemble der Theaterinsel Rosenheim spielt Maxim Gorkis „Nachtasyl“

Samstag 13. Oktober; Sonntag 14. Oktober; Sonntag 21. Oktober; Freitag 26. Oktober; Samstag 27. Oktober; Sonntag 28. Oktober; Mittwoch 31. Oktober; Freitag 2. November; Samstag 3. November; Sonntag 4.November; Donnerstag 8. November; Freitag 9. November, Samstag 10. November. Mittwochs, donnerstags, freitags und samstags ist Beginn um 20 Uhr, sonntags um 17 Uhr.

In der Welt der Gescheiterten

Rosenheim – Noch bevor das eigentliche Theaterstück beginnt, betreten die Protagonisten nacheinander den Bühnenraum. Manche haben ihre Plätze schon eingenommen, liegen auf dem mit Kartonstücken bedeckten Boden, kauern zwischen Plastiksäcken oder dösen in Stockbetten. Mit Maxim Gorkis düsterem „Nachtasyl“ führt die Theaterinsel Rosenheim unter der Regie von Daniel Burton den Zuschauer hinein in eine Welt der Gescheiterten, von der Gesellschaft Ausgestoßenen, die sich das Leben gegenseitig zur Hölle machen.

Um im Winter nicht zu erfrieren, lebt die zusammengewürfelte Gesellschaft im Keller einer heruntergekommenen Herberge bei einem ausbeuterischen Ehepaar. Der Herbergsvater (Günter Hendrich als Kostylew) ist ein hinterhältiger Hehler, der unter dem Regiment seiner herrischen Frau Wassilissa (Olivia Raclott) lebt. Wassilissa hat ein Verhältnis mit dem Dieb Waska Pepel (ausdrucksstark gespielt von Fabian Behr). Als sie erfährt, dass ihr Geliebter wiederum ein Verhältnis mit ihrer Schwester Natascha (Franziska Reuter) hat, stiftet sie ihren Mann an, Natascha die Beine mit kochendem Wasser zu verbrühen.

Schlosser Kleschtsch (Daniel Burton) sieht teilnahmslos zu, wie seine Frau Anna (mitleiderregend dargestellt von Angela Putner) an Schwindsucht stirbt. Die Prostituierte Nastja (Katharina Reuter) verschlingt Liebesromane und träumt sich in eine Romanze mit einem Grafen, um der deprimierenden Wirklichkeit zu entgehen. Schockierend waren die Wutausbrüche des betrunkenen Aljoschka, den Luca Kronast-Reichert hektisch überdreht und mit akrobatischem Talent in Szene setzte. Säufer Satin (Alexander Rathmacher), Hökerweib Kwaschnja (Alida Botha) und Lastträger Schiefkopf (Ludwig Herrmann) vervollständigten den trostlosen Reigen der Gescheiterten.

Manche Protagonisten haben gar keine Persönlichkeit mehr, sondern verkörpern nur noch Typen. Da ist ein versoffener Schauspieler (Stefan Höhn), dem sein Theatertext nicht mehr einfällt, da wird ein Baron (Lorenz Huber) von Waska zu einem bellenden Hund erniedrigt. Gut gespielt war die Rolle des Tataren (Robin Ulrich), den das ständige Gegröle der Besoffenen abstößt. Säufer Bubnow (Justus Dallmer) erkennt treffend: „Der Putz ist weg, nur der nackte Mensch ist geblieben.“

Einen scharfen Kontrast zu alle diesen gewalttätigen und mitleidlosen Kreaturen bildete Klaus Paschke in der anrührenden Rolle des alten Pilger Luka. Luka fegt nicht nur das Zimmer, sondern begleitet Anna, um die sich die anderen nicht kümmern, auch liebevoll in den Tod. Waska rät er, mit seiner Geliebten ein neues Leben in Sibirien zu beginnen. Jedem, so Luka, müsse man seine eigene Wahrheit zugestehen: „Man muss dem Menschen lassen, woran er glauben will.“

Burtons Inszenierung hatte manche starke Szene, etwa, als Luka Anna in den Tod begleitet oder als sich Waska mit der intriganten Wassilissa ausspricht. Das häufige Herein- und Hinausstürmen der Schauspieler mit lautem Türenschlagen störte mitunter, auch das wiederholte Geschrei der Besoffenen. In jedem Fall zu lang geraten in dem kleinen, aufgeheizten Theaterraum war die zweite Hälfte, die vom Zuschauer Durchhaltevermögen verlangte. Stimmig war das düstere Bühnenbild, passend ausgesucht die sentimentalen russischen Lieder. Für die Premiere von Gorkis Nachtasyl erhielt das Ensemble der Theaterinsel anhaltenden Beifall.

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