Georg Friedrich Händels „Messias“ bei den Priener Kirchenmusiktagen aufgeführt
Stehende Huldigungen für Rainer Schütz
Prien – Dieser Chor verliert seine Wirkung nie: Kaum hat das „Halleluja“ aus Händels Oratorium „Messias“ begonnen, stehen zuerst einige, dann immer mehr Zuhörer auf und hören diesen Chor zur Gänze stehend an – getreu der englischen Tradition. Rainer Schütz dirigiert mit so viel befeuerndem Schwung, dass die Chorsänger kaum nachkommen. Machtvoll singen die Männerstimmen und legen ständig an Feuer nach, während Schütz den Chor anreichert mit spannungssteigernden Zwischen-Crescendi und -Ritardandi.
Viele schwere Kirchenmusik-Geschütze fährt Rainer Schütz auf zu seinem Abschied als Kirchenmusiker an der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Prien: Mit der berühmten achtstimmigen Messe von Joseph Gabriel Rheinberger begannen die „Priener Kirchenmusiktage“ 2018, tags darauf kam eben der „Messias“, im November folgt Bachs „h-Moll-Messe“ und nach Weihnachten Bachs „Weihnachtsoratorium“. Eine gewaltige Organisations-, Konzentrations- und Dirigierleistung, dazu die vielen kräftezehrenden Proben: Wann nur haben die Mitglieder der Capella Vocale Prien und die Chorgemeinschaft Mariä Himmelfahrt dafür geprobt?
Mit dem Chor jedenfalls mehr als mit dem Orchester, geschweige denn mit allen beiden zusammen: Manchmal gab’s Koordinationsschwierigkeiten, manchmal hing der Chor etwas nach: Das musikalische Temperament von Rainer Schütz ist ungebrochen. Manchmal hätte der Chor noch etwas mehr rhythmische Kraft gebrauchen können. Ausdruckskraft jedoch hat er, klangvoll mächtig ist er bei den preisenden Chören und die Chorkoloraturen kommen präzise. Sehr gut durchhörbar ist der vielköpfige Chor, vor allem der Tenor, agil ist der Bass, rund im Klang sind die Frauenstimmen.
Das Collegium Musicum Prien mit der energischen Marija Hackl am Konzertmeisterpult war eine immer sichere Chorstütze, Akzente setzen konnte das Orchester in der „Pifa“: Sanft wiegend mit freudigen Geigentrillern erklang diese und schön flammten die Geigenpassagen auf in der Alt-Arie „Doch wer wird ertragen“.
Der Tenor Joshua Owen Mills ging seine Arien oft etwas opernhaft an, doch seine Arie „Diese Schmach brach ihm sein Herz“ gestaltete er mit großer Eindringlichkeit, seine Klage („Da war auch nicht einer, zu trösten ihn“) ging ans Herz.
Kay Stiefermann setzte mehr auf Rhetorik als auf Schönklang, er nutzte wirklich alle Klangmöglichkeiten seines schallenden Basses. Der helle Sopran von Jenavieve Moore passte gut zur Engelsverkündigung, neigte zwischendurch zum Ausufern und hatte seinen Höhepunkt in der ausdrucksvoll gesungenen Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Liebreizend und gefühlvoll, aber auch majestätisch, ehrfurchtgebietend, ernst und mitleidend war der Alt von Elvira Bill: Sie entwickelte von Anfang an eine eigene Aura, die in Bann zog. Der Beifall am Ende brach stürmisch los und schnell standen wieder viele Zuhörer auf, um ihrem Rainer Schütz lange und herzlich zu huldigen.