Hommage an die Geburtsstadt des Jazz

von Redaktion

Trompeter Leroy Jones aus New Orleans spielte mit Uli Wunner im Kloster Seeon

Seeon – Authentischer traditioneller Jazz ist hierzulande leider selten. Umso erfreulicher ist es, dass das Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon immer wieder Jazz-Konzerte veranstaltet. Der afroamerikanische Musiker Leroy Jones, 2016 zum besten Trompeter der Stadt New Orleans gekürt, gestaltete zusammen mit den „Storyville Shakers“ im ausverkauften Tagungsrestaurant einen außergewöhnlichen Jazz-Brunch.

Leroy Jones hat bei seinem geschmackvollen Trompetenspiel vielerlei Einflüsse vom Dixieland bis zu moderner Bebop-Phrasierung zu einem eigenen Stil verschmolzen, der auch in höchsten Lagen noch geschmeidig und fein klingt. Melodischer Einfallsreichtum mit vielen Zitaten und hohe Virtuosität zeichneten seinen Vortrag aus. Als Sänger erinnerte er mit seiner sonoren und leicht angerauten Stimme an Ray Charles.

Als einziger Bläserkollege stand dem Trompeter der Freisinger Klarinettist Ulli Wunner zur Seite, der die Melodielinien von Jones mit wendigen Girlanden umspielte und sein Instrument vor allem bei Dixielandstücken wie der Eingangsnummer „Rosetta“ singend und emotional intonierte. Bei Swing-Arrangements blies er Tenorsaxofon in Nachfolge der Jazzlegende Coleman Hawkins.

Pianist Harry Kanters aus Holland demonstrierte stilistische Vielfalt von perlenden Läufen bis zu Blockakkorden à la George Shearing. Als Piano-Solo-Stück hatte er sich Fats Wallers „Jitterbug Waltz“ ausgesucht, den er mit virtuoser Stride-Piano-Technik interpretierte. Der Belgier Karel Algoed agierte am Kontrabass nicht nur als swingender Begleiter, sondern immer wieder auch als melodiöser und perkussiv slappender Solist. Der Freisinger Schlagzeuger Stephan Treutter setzte passende Akzente und entzündete in seinen Solis wahre Schlagzeuggewitter, so bei „I Found A New Baby“, bei der Leroy Jones auch einige Growl-Effekte zum Einsatz brachte.

Die Musiker erwiesen sich als Botschafter des traditionellen Jazz und huldigten in vielen Stücken der Stadt New Orleans, der Geburtsstadt des Jazz. Vor allem in der Ballade „Do You Know What It Means To Miss New Orleans“ und in dem Loblied „Paradise On Earth“ von Posaunistin Katja Toivola, kam Leroy Jones für seine Heimatstadt auch singend ins Schwärmen. Als Höhepunkt darf der Song „When It’s Sleepy Time Down South“, die Erkennungsmelodie von Louis Armstrong, gelten. Jones sang das melancholisch-schöne Lied von 1931 zwar nicht in der rauen Satchmo-Manier, brachte aber bei der Schlusskadenz Armstrongs typischen Scat-Gesang überzeugend zum Einsatz. Wenn von Louis Armstrong die Rede ist, darf sein populärstes Stück nicht fehlen: „What A Wonderful World“ war die erste Zugabe, nach der das begeisterte Publikum die Band nicht von der Bühne ließ. Erst als Leroy Jones in der letzten Zugabe „When The Saints Go Marching In“ einen Sketch mit Zirkularatmung lieferte und Stephan Treutter ein heißes Solo trommelte, fand das fulminante Konzert seinen gebührenden Abschluss.

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