von Redaktion

Kleinkunsttage „Querbeet“ eröffnete die Rosenheimer Veranstaltungsreihe

Dass Jodeln kein Spaß ist, zeigte der höchst vergnügliche Auftritt von Teresa Rizos.

Eine Liebesbeziehung, präsentiert in 30 Minuten: Johannes Merkel und Julia Gampl sind „Love Consulting“.

Ein Abend, der Lust machte auf mehr

Rosenheim – Mit einem Mix verschiedener Genres wurden die 34. Rosenheimer Kleinkunsttage eröffnet. Ursprünglich angekündigt waren die Band „Kieferbachindianer“ und das Musikkabarett „Love Consulting“. Kurzfristig wurde zusätzlich Teresa Rizos für das Programm gewonnen. Bisher kannte man sie als Theater- und TV-Schauspielerin. Auf der Bühne im vollbesetzten Saal des Lokschuppens stellte sie nun ihr kabarettistisches Talent unter Beweis.

Das Eröffnungsprogramm bot abwechslungsreiche Unterhaltung. Den Beginn machten die „Kieferbachindianer“. Gegründet wurde die Band 2005 von Andi Steigenberger und Rochus Wede. Vor sechs Jahren kam Tobias Kastl hinzu. Dass sie Spaß an der Musik haben, merkte man bei ihrem Auftritt auf der Bühne im Lokschuppen schnell. Humorvoll und gut gelaunt moderierten sie ihr gut einstündiges Programm.

Die Musik der „Kieferbachindianer“ lädt mehr zum Entspannen und Nachdenken als zum Tanzen und Mitsingen ein. In ihren Texten geht es vor allem um Freiheit, Harmonie und Frieden. Alles waren Eigenkompositionen. Begleitet wurden die Lieder mit Gitarre, Waschbrett und Mundharmonika. Mit dem Titel, mit dem für sie einst alles begann – „Kieferbachindianer“ – verabschiedeten sie sich schließlich nach einer Stunde von ihrem Publikum.

Nach der Pause übernahm Teresa Rizos die Bühne. Die 32-jährige gebürtige Münchnerin wirkte bereits in vielen Theater- und Filmproduktionen mit. Bekannt ist sie vor allem für ihre Rolle als „Caro Ertl“ in der BR-Fernsehserie „Dahoam is Dahoam“, auch spielte sie schon zweimal bei den „Rosenheim-Cops“ mit. Seit diesem Jahr tritt Teresa Rizos auch als Kabarettistin auf, in Gestalt von Jodel-Dozentin Franzi Riedinger aus Soacherding.

Mit festgefrorenem Lächeln im Gesicht und einer Ziehharmonika in den Händen offenbarte sie den Zuschauern skurrile Details aus ihrer Jugendzeit, etwa dass ihre Mutter, die einäugige Jodel-Legende Rosi Riedinger, ihr immer eine Zyankalikapsel in der Brotzeitbox mitgegeben habe – quasi als Weg in die Freiheit. Zum Schluss animierte die Jodel-Dozentin das Publikum zum Mitjodeln. Da bewies Rizos weitere Talente – sie kann tatsächlich gut jodeln und durch ihre klassische Gesangsausbildung auch sehr gut singen.

Beschlossen wurde der knapp dreistündige Abend mit „Love Consulting“. Johannes Merkl und Julia Gampl gaben mit ihrem Programm „Kompliziert – aber schön!“ als selbsternanntes Berater-Duo einen kabarettistischen Einblick in die Geheimnisse der Liebe. Hauptberuflich ist Johannes Merkl seit einem Jahr Geschäftsführer des Rosenheimer Stadtjugendrings. Julia Gampl arbeitet als freischaffende Sängerin, Tänzerin und Choreografin.

Bei ihrem Auftritt im Lokschuppen legten die beiden ein atemberaubendes Tempo vor. Die Zuschauer erlebten die verschiedenen Stadien der Liebe in nur 30 Minuten, quasi im Zeitraffer, mit. Passend zu den einzelnen Stationen gab es bekannte Lieder aus den verschiedensten musikalischen Genres, darunter „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“ von Reinhard Fendrich oder „With or without you“ von U2. Johannes Merkl stellte dabei sein musikalisches Können am Klavier unter Beweis und Julia Gampl begeisterte mit ihrer ausdrucksstarken Stimme. Alles in allem ein gelungener Abend, der Lust machte auf mehr.

Heute: Michael Lerchenberg über die bayerische Revolution

Michael Lerchenberg, Kabarettist, Schauspieler, Autor, Regisseur und Intendant, nimmt anlässlich der „100-jährigen Revolution in Bayern“ die Ereignisse von 1918 in Angriff. Seine Produktion beschäftigt sich mit Literatenputsch, Scheinräterepublik, Wintermärchen, Schwabinger Revolution, Träumer, Freistaat Bayern, Strizzirepublik, Regierung von Jehovas Zorn, Sovietbaiern, Politischer Fasching, Komische Oper oder Gaudirepublik. Lerchenberg lässt vor allem Zeitzeugen zu Wort kommen – Täter, Opfer oder Beobachter, wie etwa Ernst Toller, Thomas Mann, Oskar Maria Graf, Victor Klemperer, Felix Fechenbach oder Kurt Eisner. Begleitet wird Lerchenberg von der „Revolutionskapelle“ um die „Musikantenstammtisch-Klarinettistin“ Simone Lautenschlager. Sie und ihre drei Musiker vervollständigen den Abend mit schmissigen Märschen und frechen Liedern für und wider die Revolution. Diese Premiere des Programms ist heute, Dienstag, um 20 Uhr auf der Bühne im Lokschuppen. Karten gibt es an der Abendkasse.

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