Rosenheim – Ljudmila Pawlitschenko ging in die Geschichtsbücher ein – als Stalins gefährlichste Waffe. Mit 309 bestätigten Treffern zählt sie zu den effizientesten Scharfschützen des Zweiten Weltkrieges. Im Rosenheimer Verlagshaus „Edition Förg“ ist ihre Autobiografie erschienen.
„Lady Death“ ist ein außergewöhnliches Buch. Die Autobiografie ist die erste, die von einer Frau geschrieben wurde, die selbst als Scharfschützin an der Front eingesetzt war. Aber ihre Memoiren schockieren: Detailliert, mit Eiseskälte und ohne jegliches erkennbare Mitgefühl schildert die Scharfschützin ihre Einsätze an der Front. Über ihre Waffen schwärmt sie wie von einer großen Liebe, den Todeskampf ihres Mannes beschreibt sie dagegen ebenso unbewegt wie verschiedene Kriegstaktiken, etwa deutschen Soldaten aus psychologischen Gründen in den Bauch zu schießen, um sie so einen besonders qualvollen Tod erleiden zu lassen.
Ein interessantes Detail ihrer, 408 Seiten starken, blutigen Memoiren: Das Jagen von Tieren lehnt sich ab: „Die Geschöpfe des Waldes scheinen mir hilflos und unglücklich zu sein.“ 1974 starb sie mit 58 Jahren. Bis zuletzt zweifelte sie nicht an der Richtigkeit ihres Tuns: „Wir schafften es, das Land zu verteidigen. Vielleicht wurden wir alle nur dafür geboren und aufgezogen.“
Kein Buch zur Unterhaltung, aber eines, dass deutlich macht, was Krieg aus Menschen macht und zu was Menschen in seinem Namen fähig sind.Karin Wunsam