von Redaktion

Sophie Pacini brillierte mit Mendelssohn, Chopin und Schumann in Neubeuern

Da ging noch was

Neubeuern – Dass das Programm für dieses Schlosskonzert in Neubeuern geändert wurde, war eine Überraschung. Doch die deutsch-italienische Pianistin Sophie Pacini wollte bewusst keinen reinen Schumann-Abend präsentieren, sondern auch Werke von Mendelssohn und Chopin zu Gehör bringen, in dem sie sozusagen den Inspirationsquellen für Schumann nachspürte.

Stimmig war, dass Pacini alle Programmpunkte mit kurzen Erläuterungen einführte. So erfuhr der Hörer beispielsweise, dass in Mendelssohns „Variations sérieuses“ op. 54 immer wieder Fragmente des Grundthemas aufgegriffen werden. Den schmerzlichen Charakter der Komposition mit feurigen Akkorden und stürmischen Allegro-Triolen spielte die Pianistin kraftvoll und ausdrucksstark. Virtuose Brillanz zeigte Pacini nicht nur in den aufwühlenden, dramatisch zerrissenen Passagen, sondern auch in den zarten Lyrismen. Voller wilder Wucht war die leidenschaftliche Stretta am Ende, die sich zu einem brausenden Fortissimo steigerte, aber in ruhigen Moll-Akkorden abschloss.

Chopins Scherzo in b-Moll op. 31 und sein cis-Moll Fantaisie-Impromptu sind beide klassische Ohrwürmer, weisen aber große Kontraste auf. Die liebenswürdige Stimmung des zweiten Scherzos, das einen träumerisch-duftigen Klang aufweist, hätte Pacini vielleicht mit noch mehr Beseeltheit spielen können. In den wild drängenden Akkordfolgen griff sie dafür kraftvoll in die Tasten. Im anschließenden populären Fantaisie-Impromptu schienen die Klänge gelegentlich miteinander zu verschwimmen.

Das Rondo capriccioso op. 14 von Mendelssohn ist, wie Pacini in ihrer Einführung erwähnte, eine Kombination aus den lyrischen „Liedern ohne Worte“ und spukhaften, effektvoll wirbelnden Passagen. Auch dieses melodische Werk mit seinen vielfältigen Figurationen brachte die Pianistin mit technischer Brillanz und kristallener Frische zum Erklingen.

Pianistischen Glanz strahlte der legendäre Tanzzyklus „Carnaval“ op. 9 von Robert Schumann aus. Die pausenlos aufeinander folgenden farbigen Bilder und Masken, von denen manche den Namen der Freunde Schumanns tragen, erklangen in einem stürmischen Rausch und einer virtuos wirbelnden Jagd. Rasante Staccati, von Pacini wie aus dem Klavier gemeißelt, wechselten nicht selten mit elegischer Kantabilität. Das bunte Treiben der Tänzer gipfelte in einer von Pacini effektvoll gespielten, den Atem nehmenden Stretta.

Für den anhaltenden und lebhaften Beifall bedankte sich die Pianistin nach der saloppen Bemerkung „Ich habe das Gefühl, hier geht noch was“ mit der sechsten ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt.

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