Karten für „Alles Beethoven oder was?“ gibt es im Kultur- und Kongress-Zentrum, unter ticketverkauf@vkr-rosenheim.de und unter Telefon 08031/3659365 sowie an der Abendkasse.
Kartenvorverkauf
Interview Elke Burkert leitet das Benefizkonzert am Sonntag im Kuko
„Ich garantiere, das Programm gefällt!“
Rosenheim – Das Orchester Collegia Music Chiemgau ist am Sonntag, 4. November, ab 16 Uhr im Kultur- und Kongress-Zentrum zu hören. Bei dem Benefizkonzert unter dem Titel „Alles Beethoven… oder was?“ stehen auch die Uraufführung eines Cappricios für Alphorn und Orchester auf dem Programm. Im Interview erklärt die musikalische Leiterin Elke Burkert, was es mit der Collegia Musica Chiemgau auf sich hat und warum viele Mediziner gute Musiker sind.
Sehr geehrte Frau Burkert, was ist denn
die Collegia Musica Chiemgau?
Die CMC ist ein Projektorchester, das von mir 2013 ausschließlich für Benefizkonzerte ins Leben gerufen wurde. Wir sind als gemeinnütziger Verein anerkannt. Ich selbst mache die gesamte Planung, Organisation, die Leitung und das Dirigat. Für unsere Konzerte treffen wir uns zweimal im Jahr in verschiedenen Orten im Chiemgau, so dass auch das Ambiente immer wieder neu ist für unsere Musiker, die von überall her kommen. Von jedem Teilnehmer erwarte ich eine professionelle Vorbereitung, daher proben wir intensiv nur zwei Tage und konzertieren dann gemeinsam für einen guten Zweck. Wobei die Gelder nur Institutionen in unserer Gegend zugute kommen. Die Musiker sind zu rund 70 bis 80 Prozent Profis und Musikstudenten. Einige wenige sind in anderen Berufen tätig, vor allem Mediziner. Sie kommen aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands und dem Ausland, so von den Bamberger Sinfonikern, dem Orchester der Bayreuther Festspiele, dem Bad Reichenhaller Philharmonischen Orchester, dem English Chamber Orchestra, dem Mozarteum Orchester Salzburg, dem Münchner Kammerorchester, dem Stadttheater Freiburg und dem London Philharmonic Orchestra.Wir sind bei diesem Programm die volle sinfonische Mannschaft mit 64 Musikern.
Wie schaffen Sie es,
Profi-Musiker zum
Mitmachen zu bewegen?
Das sind ganz unterschiedliche Gründe: Erstens sind etliche langjährige Freunde dabei, die sich freuen, wieder einmal ein paar Tage zusammen musizieren zu können. Es ist eine andere Stimmung bei uns als in einem Berufsorchester oder wenn man als Profi irgendwo Aushilfe spielt. Da ist es dann auch für einen Profi eine interessante Sache, mit dem Mediziner oder Studenten der neben ihm musiziert, ins Gespräch zu kommen. Es sind auch Lehrer aus Berufsfachschulen und Musikschulen dabei, die gerne einmal wieder Orchesterluft in sinfonischer Besetzung schnuppern. Auch junge Profi-Geigerinnen, die beispielsweise gerade in Mutterschutz sind und in Übung bleiben möchten, sind darunter. In Rosenheim haben wir beispielsweise einen bekannten türkischen Geigenprofessor aus Ankara unter den ersten Violinen. Er lebt seit Kurzem in München und sucht neue Kontakte. Die kann er bei uns finden. Für die jungen Profis und auch für unsere jungen Talente aus dem Chiemgau ist es auch eine Möglichkeit, mit erfahrenen „alten Hasen“ zu musizieren. Unser Konzertmeister in diesem Jahr ist beispielsweise der ehemalige Konzertmeister der Bamberger Sinfoniker, Walter Forchert.
Sie haben ja ein eher ungewöhnliches Programm zusammengestellt…
Ein Markenzeichen der Collegia Musica Chiemgau ist es auch, unbekannte, hörenswerte Werke neu zu entdecken. So stehen auf dem Programm auch unentdeckte musikalische Perlen, wie ein Adagio nach keltischen Motiven für Violoncello und Orchester von Max Bruch oder von Edward Elgar „Dream Children“. Das kannten nicht einmal die englischen Profis! Selbst Nicht-Klassik-Fans werden mit dem Huapango des mexikanischen Komponisten Jose P. Moncayo auf ihre Kosten kommen. Ich garantiere, dass das Programm gefallen wird!
Auch eine Uraufführung ist angekündigt. Wie kam es dazu, dass die Collegia Musica Chiemgau dieses Stück aufführt?
Mich faszinieren außergewöhnliche Kompositionen. Es gibt Konzerte für Alphorn und Bläserensemble oder auch mit kammermusikalischer Besetzung. Ein Konzert für Alphorn und Sinfonieorchester gibt es aber bisher noch nicht. Durch Zufall bin ich auf Rainer Bartesch gestoßen und seine Werke haben mir sofort gefallen. Er schreibt hervorragende Filmmusiken. Ich habe vor knapp zwei Jahren bei ihm angefragt, ob er nicht ein Werk für Alphorn und sinfonische Besetzung komponieren wolle und ihm zugesagt, dass wir das Werk aufführen würden. Seit einigen Wochen kenne ich nun das fertige Werk. Ich bin hellauf begeistert von dieser Komposition und überzeugt, dass das beim Publikum ankommen wird.
Wie haben Sie dafür den richtigen Alphorn-Bläser gefunden?
Da musste ich in diesem Fall nicht lange suchen. Rainer Bartesch war (und ist) Hornist, bevor er sich dem Komponieren verschrieb.
Wissen Sie schon, wem das Geld zugute kommt?
Die Nettoeinnahmen bekommen beim Konzert in Laufen der Sozialfonds der Stadt. In Rosenheim marschieren bei Beethovens Wellingtons Sieg, als Franzosen und Engländer die Trommler der Schlagzeugklassen der Musikschulen Rosenheim und Grassau auf. Die Gelder kommen den teilnehmenden Musikschulen zugute.
Haben Sie eigentlich eine Erklärung dafür, warum so viele Mediziner offenbar auch eine musikalische Begabung haben?
Ja, die Häufigkeit medizinisch-musischer Doppelbegabungen ist wirklich erstaunlich. In keinem anderen Beruf gibt es so viele Musizierende wie unter Medizinern. Jeder zehnte Arzt spielt ein Instrument. Zahlreiche Ärzte sind früher professionelle Musiker gewesen, bevor sie in die Medizin gegangen sind. Die objektiv naturwissenschaftliche Struktur der Medizin und die mathematische Systematik der Musik sind sich ähnlich. Ein Musikstück ist etwas sehr Präzises, das dann mit viel Emotion und Subjektivität interpretiert wird. Und so ähnlich ist es mit dem Arztberuf auch. Von daher gibt es viele Gemeinsamkeiten. Bei diesem Konzert spielen zwölf Ärzte aus allen möglichen Fachrichtungen mit. Die meisten haben auch Musik studiert.
Interview: Klaus Kuhn