Skurril, sarkastisch, Schlemer

von Redaktion

Der „Kramerwirt“-Wirt hat ein schräges Ein-Personen-Krimi-Kabarett geschrieben

Zu sehen ist das Kriminal-Kabarett noch am 2. und 23. November, jeweils freitags ab 20.30 Uhr im „Kramerwirt“.

Noch zwei Termine

Bad Endorf – Der „Kramerwirt“ in Hemhof ist längst Kult. Gleichwohl dort regelmäßig hochwertige Veranstaltungen stattfinden, hat sich das Wirtshaus nicht verändert und seinen alten Charme bewahrt. Das liegt einzig und allein an Hubbi Schlemer. Er ist Wirt, Kabarettist, Schauspieler und Autor in einer Person. Nachdem sein Stück „Watzmann“ sehr erfolgreich war, beschloss er, wieder etwas Neues auf die Bühne zu bringen.

„Mehr als ein Jahr lang habe ich Menschen beobachtet und Notizen gemacht“, erzählt er. Er hat die unterschiedlichsten Charaktere studiert und dem Ergebnis eine große Portion Fantasie hinzugefügt. Daraus wurde letztendlich ein Kriminal-Kabarett.

Der Titel, „Kann denn Morden Sünde sein?“, ist zunächst ein wenig irritierend. In dem Ein-Personen-Stück tritt Hubbi Schlemer als Polizei-Ermittler auf. In kürzester Zeit haben sich zwölf Morde ereignet und der Polizeichef geht von einem Serienkiller aus. Sechs Tatverdächtige kommen hinter Gitter. Sie alle verhört der Ermittler alias Hubbi Schlermer. Er schlüpft in die Gestalt der einzelnen Personen.

In den Verhören kommen die schrecklichsten Dinge ans Licht. Da werden zwei Mädchen brutal ermordet. Ein Schmied und ein Schreiner tauschen ihre Handwerkszeuge beim grausamen Morden. Oder eine Friseurin verwendet aus wirtschaftlichen Gründen Salzsäure zum Morden.

Alle Greueltaten werden bis ins Detail geschildert. Hubbi tut dies mit vollem Körpereinsatz und schauspielerischer Mimik. Sein Talent für Dialekte nutzt er vor allem im Dialog zwischen den österreichischen Ex-Rauchern Fredl und Bertl. Dabei kommen typisch österreichische Kraftausdrücke zum Einsatz.

Eine der Glanzrollen ist die des Kochs Gustl, der seine Gerichte wie das „Trump-Steak“ anpreist. Sein Opfer wird ein Michelin-Kritiker, der seine Künste nicht zu würdigen weiß.

Alle Morde geschehen nicht vorsätzlich oder im Affekt, sondern aus niedrigen Trieben. Der Ermittler sieht jedoch trotz aller Grausamkeiten das Gute in den Mördern. Das erklärt auch den Titel des Stücks, „Kann denn Morden Sünde sein?“. Voller Empathie versucht der Ermittler, die Mörder in irgendeiner Weise zu verstehen oder gar zu entschuldigen. Im Laufe des Abends werden die Zuschauer mit zwölf Verhören konfrontiert.

Hubbi Schlemer versucht, das blanke Entsetzen des Publikums mit Wortverdrehungen oder Wortschöpfungen ein wenig zu mildern. So wird aus dem Lied, „Ein Bett im Kornfeld“ das „Korn im Bett“, als im Kornfeld gemordet wird.

Hubbi Schlemer zieht sämtliche Register des Kabaretts. Dazu bedient er sich einer Art Aktenkoffers, aus dem er die verschiedensten Utensilien zieht: Ein Mikrofon in Form eines Joghurtbechers oder eine weiße Kochmütze für das Verhör mit dem Starkoch. Ein weiteres „Auflockerungsmittel“ ist Schlemers Ziach, zu der er seine selbst verfassten Gstanzln singt. Dabei kommt er sogar ein wenig ins Philosophieren, etwa über die Zeit.

Und immer zieht er das Publikum in sein Programm mit ein. Er befragt es zu den einzelnen Verhören und schreckt nicht davor zurück, sich einige „umrahmt von Gitterstäben“ vorzustellen. Die Zuschauer wussten, dass sie von Hubbi Schlemer so manches zu erwarten hatten, auf alle Fälle ziemlich Schräges. In „Kann denn Morden Sünde sein?“ kommt es allerdings noch skurriler und sarkastischer, doch immer witzig.

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