„Das Dschungelbuch“ ist zu sehen am 8., 10., 11. November, 1., 2., 20., 21., 22., 28., 29., 30. Dezember sowie 11., 12., 13. Januar und 1., 2., 3. Februar. Die Vorstellungen beginnen donnerstags, freitags und samstags um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr. Karten gibt es über www.theaterwasserburg.de, in Wasserburg in der Gäste-Information, im Innkaufhaus und bei Versandprofi Gartner und im Kroiss Ticket-Zentrum Rosenheim. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.
Aufführungen
Umjubelter Auftakt der neuen Spielzeit mit neuem Stück am Theater Wasserburg
Fressen und gefressen werden
Wasserburg – „Das Dschungelbuch“ bot zur Premiere unterhaltsames Musiktheater. Das Publikum war von der modernen Interpretation und Adaption des berühmten Jugendromans begeistert. In Erinnerung bleiben eine grandiose Inszenierung und die Erkenntnis, dass gerade im Großstadtdschungel die allergrößten Gefahren lauern.
Frank Piotraschke, der gemeinsam mit Uwe Bertram auch Regie führte, schrieb die Textfassung zu einem „Dschungelbuch“ der Gegenwart. Darin verschmelzen die Figuren aus Rudyard Kiplings Original aus dem Jahr 1895 mit den witzigen Charakteren von Walt Disneys Zeichentrickverfilmung aus den 1970er-Jahren. Autor Piotraschke erschuf so moderne Chimären, denen der unbedarfte, junge Mowgli begegnete.
Damit war der kindlich-naive Held in der Zivilisation der Gegenwart angekommen. Nur hatte der Junge hier erst recht keinen Platz mehr, und auch hier lauerten die Feinde überall. Mowgli musste lernen, dass die Gesetzmäßigkeiten in einer urbanen Gesellschaft ähnlich wie in der Natur des Dschungels entsprechend hart sein können. „Zivilisation ist die stille Verabredung, nicht übereinander herzufallen“, konstatierte dazu der listige Schakal Tabaqui treffend. Deshalb hieß es für Mowgli auch im Großstadtdschungel „Fressen und gefressen werden“. Dabei wollte er doch einfach nur dazugehören. Stattdessen traf er auf diverse lichtscheue Gestalten. Manche, wie die Schlange Kaa oder der Tiger Shere Kahn, trachteten ihm nach dem Leben. Andere wie King Louie wollten ihn nur ausnutzen. Doch es gab auch Baloo, den Bären, und den Panther Bagheera, die Mowgli wohlgesonnen waren.
Regie und Inszenierung überraschten mit einem ganzen Bündel kreativer Ideen. Gespielt wurde hinter transparenten, vertikal hängenden Stoffbahnen. Durch ein ausgeklügeltes Beleuchtungskonzept waren die witzigen Masken und Kostüme hinter den geheimnisvollen Schleiern dennoch bestens zu sehen. Nur Mowgli spielte davor. Nachwuchsschauspielerin Anna Tripp flogen die Sympathien in dieser fragilen Rolle regelrecht zu.
Mowglis Gegner war „Shere Khan“. Mit unglaublichem Geschick bewegte sich Susan Hecker fast lautlos als Tiger auf einem Hoverboard über die Bühne, stets auf dem Sprung und damit eine ständige, lebensgefährliche Bedrohung. Ähnlich akrobatische Fähigkeiten stellte auch Annett Segerer unter Beweis. Die hypnotisierende Python spielte sie im Vertikaltuch hängend über Kopf. Sie verwandelte sich vom Bär Baloo in die Schlange Kaa und wieder zurück. Hilmar Henjes, geschminkt wie die Symbolfigur der Anonymus-Aktivisten Guy Fawkes, begeisterte als Elefantenführer Colonel Hathi und Affenkönig King Louie. Nick Mayer sorgte als Panther Bagheera und Schakal Tabaqui für Galgenhumor. Dazwischen fegte Regina Alma Semmler im Cheerleader-Kostüm über die Bühne. Sie spielte die Leitwölfin Raksha, die einst den ausgesetzten Mowgli im Rudel aufnahm.
Wie bereits Schauspiel und Gesang zeigte sich auch das begleitende Kammermusikensemble von seiner besten Seite. Die Musik war nahezu perfekt auf die surreale Szenerie des Stücks abgestimmt. Pit Holzapfel, Georg Karger, Wolfgang Roth, Leonhard Schilde und Dim Schlichter spielten die bekannten Dschungelbuch-Lieder. Die Arrangements waren atonal verfremdet, dennoch aber als Klassiker der Disney-Verfilmung erkennbar und mitreißend. Für deren Popularität waren ja nicht zuletzt die eingängigen Lieder verantwortlich, die mehrheitlich von den Sherman-Brüdern Richard und Robert geschrieben wurden. Da durften in Frank Piotraschkes Dschungelbuch der King-Louie-Song „Wanna Be Like You“ („Ich wäre gern wie Du“) oder der legendäre „Colonel-Hathi-Marsch“ zur Elefantenparade selbstverständlich nicht fehlen.