Prien – Beim diesjährigen Herbstkonzert des Chiemgau-Orchesters stehen neben Felix Mendelssohn Bartholdy und Nikolai Rimski-Korsakow auch zwei Konzerte für Solo-Tuba und Orchester auf dem Programm. Andreas Martin Hofmeir, Tuba-Professor am Salzburger Mozarteum und Kabarettist, wird Jörg Dudas (geboren 1968) Konzert Nr. 1 für Tuba und Orchester spielen sowie Jules Massenets Meditation aus Thais in einer Bearbeitung für Solotuba und Orchester. Hofmeir, in der Holledau aufgewachsen, begann mit zwölf Jahren das Tubaspielen. Er gewann zahlreiche Preise, darunter 2005 den Preis des Deutschen Musikwettbewerbs in Berlin, 2004 den Ersten Preis beim Internationalen Musikwettbewerb in Porcia und 2013 den Echo-Klassik als erster Tubist überhaupt. Er fühlt sich in vielen Musikgenres daheim – so war er auch Gründungsmitglied bei LaBrassBanda und spielte dort zwischen 2007 bis 2014 als Mann an der Tuba – und tritt bis heute am liebsten barfuß auf.
Sehr geehrter Herr Hofmeir, barfuß aufzutreten, ist das Ihr Markenzeichen oder bedeutet das für Sie Erdung? Ihrer Tuba haben Sie ja auch einen Namen gegeben, nämlich Fanny.
Wenn ich barfuß auf die Bühne gehe, hat das keinerlei esoterischen Hintergrund, sondern ist der verzweifelte Versuch, mit etwas Erotik die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Dafür ist entblößte Haut ja ein probates Mittel, wobei ich persönlich mit den Füßen ein besseres Ergebnis erziele als mit jedem anderen Körperteil. Dass meine Tuba einen Namen hat, ist eine jahrzehntelange Tradition in der Blasmusik. Tuben haben dabei immer Frauennamen. Ich habe zu Hause auch eine Ursula und eine Hildegard.
Tausendsassa, Grenzgänger, Musiker, Kabarettist, Universitätsprofessor – welche Bezeichnung ist Ihnen am liebsten?
Wenn man mich als einen netten Kerl bezeichnet, freue ich mich am meisten.
In Ihrer Vita steht, dass Sie zunächst Klavier, Schlagzeug und Tenorhorn gelernt haben, und erst mit zwölf Jahren das Tubaspielen begonnen haben. Woher das Interesse an einem so großen und unhandlichen Instrument?
Das macht wenigstens was her. Und wenn im Alter der Bauch größer wird, kann man ihn besser verstecken. Wobei das Klavier und die Trommel noch den Vorteil haben, dass man während des Spielens essen kann.
Wenn man heute in ein klassisches Konzert geht, sieht man eher mehr ältere Menschen als jüngeres Publikum. Muss sich an der Vermittlung von klassischer Musik etwas ändern, um noch mehr junge Leute anzusprechen?
Ich sehe das differenzierter. Erstens glaube ich, dass es einfach normal ist, dass die Jugend eher dazu neigt, in Konzerte zu gehen, wo man sich austoben kann. Das liegt einfach in der Natur der Sache. Später, wenn man mal einen kinderfreien Abend hat, freut man sich über die besondere Stimmung eines klassischen Konzertes. Das klassische Publikum wird also im Schnitt immer ein eher älteres sein. Die Grauhaarigen, die heute im Gasteig-Abo sitzen, waren früher ja auch bei Pink Floyd und den Beatles. Allerdings finde ich schon, dass es der Klassik gut zu Gesicht stehen würde, etwas volksnäher zu werden. Moderierende Dirigenten und Solisten, amüsante Werkserläuterungen von der Bühne, ein bisschen Ironie, das würde gerade für Neueinsteiger die Sache erheblich erleichtern. Sonst kommt man sich beim ersten Mal vor wie bei einem lateinischen Gottesdienst.
Interview: Elisabeth Kirchner