Quadro Nuevo vertont Goethe und Hafis

von Redaktion

Brücke zwischen Weimarer Klassik und Orient: Das west-östliche Divan-Hörbuch taucht ein in die persische Lyrik

Spät und erst mit 65 Jahren entdeckte Johann Wolfgang von Goethe den persischen Dichter Hafis. Er las dessen erst kurz zuvor ins Deutsche übersetzten „Diwan“ und war beeindruckt. Über zeitliche, geographische, religiöse und kulturelle Grenzen hinweg empfand er eine geistige Verwandtschaft mit dem persischen Poeten des 14. Jahrhunderts und ließ sich durch ihn zu seiner umfangreichen Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“ inspirieren.

Mulo Francel und Quadro Nuevo verbindet sowohl mit Goethe als auch mit nahöstlichen Klangwelten so manches. Die Vertonung der „Italienischen Reise“ Goethes passte gut zu den Melodien von „Canzone della Strada“, was letztlich zu einer CD mit Ulrich Tukur als Sprecher führte. Und jüngst traten die Quadros wieder mit den ägyptischen Musikerfreunden auf, mit denen man das „Klangteppich“-Konzert im Kuko gespielt hatte. Auftritte der Band im arabischen Raum und eine Iran-Reise von Mulo Francel und der BR-Redakteurin Julie Fellmann taten ein Übriges. Quadro Nuevo fungiert als idealer musikalischer Brückenbauer zwischen Weimarer Klassik und dem Orient – so entstand der neue Tonträger mit Gedichten und Klängen rund um die persische Dichtkunst und Goethes „Divan“, deren Verbindung in Weimar übrigens ein Denkmal gewidmet ist.

Meditative, ruhige Stücke wechseln mit rasanten, treibenden Rhythmen wie in der „Wilden Gazelle“. Thematisch geht es in den Gedichten um die tiefe, mystische Beziehung zu Gott, aber auch um weltliche Freuden wie die Liebe und den Wein. Persische Mystiker wie Rumi kommen zu Wort, die Texte werden manchmal auf Persisch, meist aber auf Deutsch gesprochen: bei den deutschen Sequenzen waren August Zirner, Caroline Ebner und Frank Zumbach beteiligt.

Die Verbindung von gesprochener Lyrik und der musikalischen Begleitung durch die „Quadros“ ist gut gelungen auf dem Album, das zum konzentrierten Hören einlädt. Dem zunächst windumtosten „Tanz der Sterne“, aufgenommen auf dem 3000 Meter hohen Berg Shir Kuh mit dem Gesang Aidin Tavakkols, folgen treibende arabische Klänge mit der Stimme von Carolin Ebner. Die CD verbreitet orientalische Atmosphäre mit nostalgischem Geschichtenzauber aus 1001 Nacht und birgt einige Überraschungen wie Originaltöne von Nachtigallen, aufgenommen in einem Wald in Bulgarien.

So gelingt eine behutsame Annäherung von Ost und West, von klassischen Dichtern und heutigen Musikern mit iranischer Poesie. Es gibt bei genauem Nachspüren mehr Bezüge zwischen Bayern und dem Iran: Der Lyriker Hafis wurde übersetzt von Friedrich Bodenstedt, dessen Bericht „Eines Königs Reise“ Pate stand für den „Maximiliansweg“, der auch die Landkreise Rosenheim und Traunstein durchzieht.

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