Bad Aibling – Dank ausverkauftem Saal begrüßte ein bestens gelaunter Kurdirektor Thomas Jahn viele Gäste und Volksmusikgruppen im Kurhaus. Roman Messerer und Christian Eisner, seit Jahren für den bayerischen Abend im Rahmen der „Saitensprünge“ verantwortlich, war erneut ein glänzend aufeinander abgestimmtes Programm gelungen.
Den „Weitpreis“ erspielte sich mühelos der aus dem Tirolerischen angereiste „Harte Kern“. Die Musikgruppe bildet sich aus der Musikkapelle Angerberg/Mariastern“ und verfügt über eine herzerfrischende Spielweise. Ausgestattet mit Harfe, Akkordeon, Klarinette, Blech und Schlagzeuge präsentierten sie mit selbstbewusstem Klang ihre Polkas, Boarischn und Märsche. Die betörende Klangfülle ihrer Blechblasinstrumente sorgte bei den „Weisen“ im Saal für eine spürbare Spannung.
Der „Haushamer Bergwachtgsang“ wurde vorzüglich von Maria Holzer (Zither) und Heiner Oberhorner (Gitarre) begleitet. In ihren Anfängen bereits unterstützt von Hartl Röpfl wurden die vier Männer durch viele Auftritte und Tonaufnahmen im Bayerischen Rundfunk schnell bekannt.
Ihr feiner Vortrag hat in den Liedern eine besondere Dynamik. Sie singen in einer textverständlichen Art, die wiederum ein perfektes, aber nie steriles Klangbild erzeugt. Das einfache und oft gehörte Volkslied wird da nie eintönig. Schön war es, zu erleben, dass gerade bei Stücken wie „Unta da Lindn“ oder „Da Lindnbaam“ im Saal andächtige Stille einkehrte.
In der Tradition der „Wegscheider Musikanten“ spielte die „Hirschberg Zithermusi“, besetzt mit drei typischen Kerschensteiner Zithern und Kontragitarre, in der Hauptsache Stücke von Franz Öttl und den historischen Wegscheidern. Und wie sie diese Kompositionen spielen! Ob Marsch, Mazurka oder Landler, es widerhallt ein Saitenklang von zupackender Frische. Ebenso urig wie dosiert lässig klangen die Stücke, die von der Gruppe oftmals im eigenen Satz oder ganz neu komponiert wurden.
Den „Reißverschluss“ des Abends übernahm Sprecher Hans Schönauer aus Irschenberg. In ebenso blumiger wie bodenständiger Sprache erzählte er von den Musikgruppen, tauchte hinein in die Jäger- und Liebesgeschichten vergangener Zeiten und amüsierte mit humorvollen Anekdoten.
Selbstbewusst und stimmlich in geschwisterlicher Harmonie glänzend ausgestattet, gesellten sich zu den großartigen Sängern und Musikanten die schon mit vielen Preisen bedachten „Sagschneider Malan“ aus der Lenggrieser Gegend. Sie überzeugten mit stimmlicher Einheit und gemeinsamer Stimmfärbung. Begleitet von eigener Gitarre und markanter Hirschberger Zither erzeugten sie ein wunderbares Spannungsverhältnis in Liedern wie „Da Summa is umma“ oder „Auf da Oim is koa Bleim“.
Nach drei Stunden und vielen Zugaben fand ein virtuoser Volksmusikabend sein Ende. Festzustellen bleibt: Die „Bairischen Saitenblicke“ lassen keine naserümpfenden „Seitenblicke“ zu. Mit ihrer hohen Qualität in Darbietung und Musikalität haben sie sich neben dem Konzert des „großen Festivals“ selbstbewusst ihren berechtigten Platz geschaffen.