Musikalischer Trost und Glaubensgewissheit

von Redaktion

„Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms in der Pfarrkirche Oberwöhr

Rosenheim – Im Gegensatz zur traditionellen Bitte um Erlösung der Toten steht bei Johannes Brahms der Trost suchende Mensch im Vordergrund. Im „Deutschen Requiem“ wird in sieben Sätzen über den Tod meditiert und reflektiert. Um den Begriff des Trostes gruppieren sich Hoffnung und Geduld, Ruhe und Zuversicht. In einer umjubelten Aufführung unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Andreas Hellfritsch brachte die Vogtlandphilharmonie Greiz- Reichenbach zusammen mit dem evangelischen Kirchenchor Bruckmühl und dem Chor der Christuskirche Bad Aibling das 1865/66 komponierte Werk in der Katholischen Pfarrkirche „St. Josef der Arbeiter“ in Oberwöhr zum Erklingen. Die Solopassagen sangen Silke Herold-Mändl (Sopran) und Matthias Ludwig (Bariton).

Zunächst aber standen die „Vier ernsten Gesänge op. 121“ von Brahms in einer Orchesterbearbeitung von Werner Krahnert auf dem Programm. Ergreifend war nicht nur der resignativ-düstere erste und der dritte Gesang mit seinem emphatischen „O Tod, wie wohl tust du!“, sondern auch der kraftvoll-zuversichtliche, Hoffnung weckende vierte Gesang, in dem das ganze Ensemble eine harmonische und raumfüllende musikalische Einheit bildete.

Der erste Satz des Requiems strahlte in seiner kreisenden Melodik mit den zu schweben scheinenden Streichern und betörenden Oboen eine wohltuende Ruhe aus. Ganz im Gegensatz dazu sang der Chor im zweiten, bildstarken Satz eindringlich-kraftvoll „Denn alles Fleisch es ist wie Gras“. Die vom Orchester wirkungsvoll umgesetzte gewaltige und düstere Monotonie des Totenmarsches erzeugte beim Hörer Gänsehaut. Im abschließenden Fugato setzten Chor und Orchester der Trauer eine klangmächtige Vision ewiger Freude entgegen.

Die verzweifelte Frage „Nun Herr, wer soll mich trösten?“ im dritten Satz sang Bariton Matthias Ludwig mit traurig-klangschönem Timbre. Als ein Symbol unerschütterlichen Glaubens antworteten Pauken, Streicher und Bläser in der so genannten Orgelpunktfuge. Hell und zuversichtlich ertönten die Stimmen der Frauen mit „Nun Herr, wer soll mich trösten? Ich hoffe auf dich.“

Nach der kantablen ldylle des vierten Satzes, in dem die Streicher einen geschmeidigen Klangteppich woben, folgte mit dem fünften Satz ein helles, verhaltenes Sopransolo von Silke Herold-Mändl, das Traurigkeit und Trost noch einmal zueinander führte. Mit rhythmischer Pizzicati-Begleitung der Streicher und sich orchestral steigernd zum gewaltigen Triumph sang der Chor „Denn wir haben hier keine bleibende Statt“. Der sanft verklingende siebte Satz wiederum knüpfte mit seiner Ruhe und Verklärtheit, seiner Trost spendenden Zuversicht wieder an den Anfang an. Nach einer ergreifenden Minute der Stille bedankte sich das Publikum für die grandiose Aufführung mit langen, enthusiastischen Ovationen.

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