Partnerschaft im Klanggegensatz

von Redaktion

Rathauskonzert „Chamber Players“ spielten in Wasserburg

Wasserburg – Die „Chamber Players“ aus Hamburg siedelten sich in ihrem letzten Wasserburger Rathauskonzert in der Wahlheimat Wien des Hamburgers Johannes Brahms an, wo vorher schon Franz Schubert seine Zeichen gesetzt hatte: Mit dem g-Moll-Klavierquartett, einem Werk von Johannes Brahms, das noch jugendfrisch mit viel Esprit die Welt des reiferen Komponisten vorwegnimmt und „zuhörerfreundlich“ ungarische Musikelemente verarbeitet. Schuberts Quintett D 667 braucht man nicht zu erklären, die „Forellen“-Variationen sprechen für sich. Ist dies am Ende Schubert „light“? Mitnichten: Was der Komponist da in den Variationen an Kühnheiten präsentiert, dringt in die Tiefe des Zuhörers.

Dank der ausführlichen Programmhinweise können wir uns ganz der Interpretation, den Interpreten zuwenden: Auf der einen Seite ein Klangkörper aus Violine, Bratsche, Cello und später auch Kontrabass, der im Bogenstrich ganz den zarten Tönen verschrieben schien. Das genoss man besonders, wenn das Klavier pausierte: Ein berückender, nie verschwimmender samtiger Klang.

Dazu das Tasteninstrument: Brillant stellte Yuko Hirose Themen und rhythmische Elemente glasklar in den Raum. Und doch: Zwischen den beiden Klangkörpern taten sich Brüche auf. Bei Brahms ist es von der Komposition her schon vorbestimmt, dass der Klavier- und der Streicherpart in seinen Klavierquartetten eher Antipoden sind als dem Einklang verschriebene Partner.

Das hatte Arnold Schönberg später erkannt, als er das Werk zu einer Streicher-“Symphonie“ umschrieb – ja, um es durchsichtiger zu gestalten im Hinblick auf die meist praktizierte Dominanz des Klavierparts. Also versuchte man, dem „Bösendorfer“ des Rathaussaales bei Schubert durch teilweises Schließen des Deckels die Schärfe zu nehmen, um seinen Diskant auch im Forte zu dezentem Glitzern zu bringen – was mit Mühen durch das Spiel von Yuko Hirose gelang.

Trotzdem: Welcher Klavierbauer unternimmt es, dem Instrument in der oberen Lage weicheren Klang zu verschaffen? Streicher-Ensembles mit Klavier würden dies danken, und wohl auch die Zuhörer.

Dieser kritische Einschub soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Konzert insgesamt Freude bereitete, schon dank des hingebungsvollen Spiels – und dank der herrlichen Werke von Johannes Brahms und Franz Schubert.

Einen Genuss auch bereitete das Zusehen: Nahezu versunken in seinen Part spielte Ian Mardon, und welch ein Pianissimo für einen als Primarius fungierenden Geiger! Stets auf Kontakt zur Pianistin bedacht agierte Julia Mensching an der Bratsche, klanglich mit zart füllendem Ton im Zentrum des Geschehens. Und der Cellist Rolf Herbrechtsmeyer brachte vor allem bei Schubert dank des beigesellten Kontrabasses (Fair Turganov) seine Themen zu großer Geltung. Zuletzt die Pianistin Yuko Hirose: Weniger sichtbar als hörbar agierte sie im Hintergrund und führte in trefflicher Akkuratesse.

Ian Mardon hatte eine Zugabe aus eigener Hand beizusteuern. Mal Anklänge an Ravels „Bolero“, mal an Piazolla-Tangos: So befreiten sich die Spieler, amüsant anzuhören, aus klassischer Routine.

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