Zwischen Stillleben und Straßenszenen

von Redaktion

Jahresausstellung des Kunst- und Kulturvereins zu Hohenaschau eröffnet

Aschau – Es ist die fünfte und zugleich die letzte Jahresausstellung des Kunst- und Kulturvereins zu Hohenaschau in diesem Jahr. Sieben Künstler, altbekannte, aber auch frische „Gesichter“ präsentieren in der Galerie ihre neuesten Werke.

Zum ersten Mal in der Galerie zu Gast ist Ekaterina Zacharova, gleichwohl sie in der Region und darüber hinaus sehr bekannt ist. Ihr ist der große Raum im Erdgeschoss gewidmet, wo ihre großformatigen Ölbilder so richtig zur Geltung kommen. Die Motive stammen aus den USA und Kuba und tragen genaue Titel wie „Central Station, New York“ oder „Helado, Havanna“. Zumeist stellen sie Barszenen dar oder Kulissen aus dem Großstadtverkehr. In jedem Bild erzählt die Künstlerin kleine Geschichten und fängt den Zauber des Augenblicks ein. Der Betrachter glaubt, er befinde sich inmitten der feiernden Menschen und lässt sich von ihrer Lebensfreude anstecken. Oder er sei im tosenden Großstadtverkehr, geblendet von den Tausenden von grellen Lichtern.

Die in Moskau geborene Künstlerin hat an der Theaterkunstschule studiert und kam 1996 nach Bayern. Sie schuf auch die Bühnenbilder für einige Opern des Festivals in Immling.

Auch die in Bozen geborene Gutta Lageder war Bühnenbildnerin, bevor sie sich ganz der Malerei widmete. Doch in ihren Gouachen aus Papier, Tusche und Stiften (Raum 1 im ersten Stockwerk) ist die einstige Bühnenbildnerin klar zu erkennen. Ihre oft durch aufgeklebtes Seidenpapier hergestellten Strukturen auf der Malfläche machen Schichten sichtbar, in denen der Betrachter die Hügellandschaften Südtirols wiedererkennt in den horizontal gelegten Streifen und Bändern oder die marmorierten Schichtungen in einem Steinbruch.

Aus der Bühnenbildnerei kommt auch der Berliner Thomas Kaemmerer. Der Ausstellungsbesucher genießt seine meisterlich gesetzte Überfülle von Schatten und Spiegelungen (Raum 2, erster Stock). Metall darzustellen gilt als eine der Herausforderungen in der Malerei. In den Ölbildern von Thomas Kaemmerer ist jedoch jedes Metall zu erkennen, fast bis in die Legierung hinein. Akribisch gemalt und täuschend echt, ja fotorealistisch dargestellt ist jede Schraube und auch ihr Glanz ist verblüffend echt. Die Art, Stillleben zu malen, erscheint hier in einem ganz neuen Licht. Trefflich beschrieb es der Laudator bei der Ausstellungseröffnung. Dr. Elmar Zorn: Er bezeichnete das „Stillleben“ (Bild 31) als „großes Fressen der Malerei“. In dem großformatigen Bild sind eine Unmenge kleinster Motive dargestellt, die es erst einmal zu entdecken gilt.

Ganz neu präsentiert sich Philipp Mager in seinen inhaltlich und formal surrealen Bildinformationen (Flur im ersten Stock). Mit Kugelschreiber und Ölkreide oder Buntstift beschreibt er Klischees in ihrer Brauchbarkeit und Verbrauchtheit. „Staubritter“ nennt er ein Bild, auf dem Männer in Ritterrüstung Staubsauger schieben. Auch in den übrigen Titeln drückt er Sarkasmus aus wie in „Eheszenen“ oder „Der proststrukturalistische Diskurs“. Surreal und provozierend ist seine Inspektion und Introspektion der Kunst in Deutschland.

Ransome Stanley hingegen macht es sichtlich Spaß, auf dunklen, monochromen Flächen Köpfe in scheinbar unsinnigen Formen darzustellen (Raum 3, erster Stock). Die Bilder nannte Dr. Elmar Zorn „ironische Weltgeschichten“.

Neu in der Ausstellung ist Kirsten Zeitz. Im Raum 4 im ersten Stock zeigt sie Tuschen auf Transparentpapier wie „Studien zu menschlichen Linien“ oder ihre Versionen von „Glück“. Die subtilen Liniengespinste sind unglaublich zart und laut Dr. Elmar Zorn ein „Ausflug in das Medium Zeichnung“.

Neu ist auch Johanna Schelle mit ihren vier stelenartigen Frauen aus Lindenholz mit Acrylfarben. Sie dreht den festgefahrenen Skulpturen-Kanon um. Ihre Figuren sind nicht abstrakt, sondern verharren in normalen Bewegungen, doch mit einem Anflug von Spott und etwas Karikatur.

Bis 9. Dezember

Zu sehen ist die Ausstellung bis 9. Dezember mittwochs von 15 bis 17 Uhr, freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 12 sowie 15 bis 18 Uhr in der Galerie Hohenaschau auf dem Gelände der Festhalle.

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