Rosenheim – Seit es die „Akademie der Bildenden Künste“ in Kolbermoor gibt, hat sich die Vielzahl der in unserer Region fortgebildeten Fotografen, Zeichner, Maler und Plastiker wohl um ein Vielfaches erhöht. Aber auch zuvor leiteten professionelle Künstler interessierte Amateure in Kursen in eigenen Kunstschulen, als Dozenten der Volkshochschulen oder beim Rosenheimer Bildungswerk an, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und zu vervollkommnen.
Von 1984 bis 1996 besuchte Annelies Kaczynski in der Rosenheimer VHS die Kurse „Bildnerisches Gestalten“ bei Rolf Märkl, außerdem einen Druckgrafik-Kurs bei Klaus Schmid. Ihre ehemaligen Lehrer können stolz sein. Seit 1992 stellt die 1951 geborene Rosenheimerin aus, unter anderem zur Eröffnung des großzügigen Eingangsbereichs des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) des Rosenheimer Klinikums. Ihre „Handschrift“ war damals schon evident, und nun, etliche Jahre und Ausstellungen später, sind in der „Kleinen Werkraumgalerie“ von Alfons Röckl ihre aktuellen Werke zu sehen.
Ihre aktuelle Ausstellung „Neue Bilder“ zeigt knapp 40 kleine bis mittelgroße Arbeiten in Acryl und Mischtechnik. Ihr dort gezeigtes Schaffen lässt drei Motivschwerpunkte erkennen: figürlich-abstrahierende Darstellungen, weitgehend abstrakte Werke, zum Teil mit Materialeinschlüssen, sowie großformatige Reihungen kleiner, immer wieder abgewandelter Motive wie in den großformatigen Bildern „Blumenmeer“ oder „Blütenteppich“. Letztere Arbeiten sind fröhlich-dekorativ, die Einschätzung als mögliche Vorbilder für künstlerische Entwürfe für hochwertiges Geschenkpapier oder Tapeten ließ die Künstlerin durchaus gelten.
Die Titel, die Kaczynski ihren Bildern gibt, zeugen von einer liebevoll-spielerischen Leichtigkeit – bei aller Mühe, die das Malen solcher Bilder verlangt. Mit jeweils nur einem Wort „stempelt“ sie sozusagen das jeweilige Werk. Da sind das „Viech“, der „Zerberus“ oder der „Dino“, allesamt hochhaxerte Vierbeiner in der Bildsprache der „art brut“ – nicht hübsch, aber charakteristisch in ihrer Wesenheit. Aber es gibt auch menschliche Gestalten zu erahnen wie „Einbeinig“ oder die „Madame“, wobei Abbildungen Uecker‘scher Nagelkunst-Arbeiten oder Ausrisse alter Schriftstücke mit opulenter Kalligrafie eingearbeitet sind.
Schließlich die abstrakten Arbeiten: manchmal Hochformate wie „Nachtblau I“ oder breitformatig wie „Nachtblau III“, die in ihrer Ausstrahlung an ungegenständliche Kirchenfenster der Moderne erinnern. Es ergibt sich der Eindruck: Kaczynski empfindet große Freude beim Malen – und dieses Vergnügen überträgt sich auf den kunstafinen Betrachter.