Von der Rumplhanni bis zur Penthesilea

von Redaktion

Bettina Mittendorfer las Geschichten vom Sterben und vom Tod

Rosenheim – Wer kein Bairisch kann, hatte Pech an diesem Abend in der Rosenheimer Stadtbibliothek. Wer es aber kann, hatte großes Vergnügen – wenn auch das Thema ernst war: Es ging ums Sterben und um den Tod, passend zum Totenmonat November und passend zum jetzigen Generalthema der Lesungen und Veranstaltungen der Stadtbibliothek. Bettina Mittendorfer las im ausverkauften Saal ausgewählte Texte, Romanauszüge, Geschichten und Gedichte quer durch die Weltliteratur und quer durch die bairische Literatur.

So stand die Rumplhanni von Lena Christ neben der männerfressenden Amazonenkönigin Penthesilea von Heinrich von Kleist, der Brandner Kaspar neben der Brecht‘schen Dirne Evelyn Roe, es gab Geschichten von Oskar Maria Graf und Georg Queri zu hören, von Ludwig Thoma und Franz von Kobell. Dessen Erzählung vom Brandner Kaspar, der zuerst nicht sterben, dann aber, nachdem er das Paradies gesehen hatte, nicht mehr leben will, umrahmte alles. Musikalisch umrahmt waren die Texte von Rainer Gruber mit Klängen von Akkordeon und Gitarre, entweder sanft ins Ohr schmeichelnd oder tanzlustig munter.

Bettina Mittendorfer verkündet anfangs, dies werde „ein Abend der großen und kleinen Gefühle“. Kleiner waren die Gefühle bei den eher humorvollen G’schichten, so in „Die Seelenwanderung“ von Georg Queri: Als dem alten Königshofer erzählt wird, die Seele wandere nach dem Tod in irgendein Tier, sucht er sich ein Ross als nächsten Seelensitz aus und übt schon mal das Gehen auf vier Beinen und das Wiehern, scheitert aber daran, seine Äpfel unterm Laufen zu verlieren und vor allem, die Fliegen mit seinem Schwanz zu erschlagen.

Mittendorfer las in echtem kräftigen Bairisch mit dem zungengerollten „R“, das gerade den Geschichten von Queri und Graf die dialektale Würze gab, las ganz intensiv, oft mit aufgerissenen Augen, und schuf fast atemlose Stille und hochkonzentrierte Aufmerksamkeit vor allem gegen Ende hin, als es immer ernster wurde und wirklich die Gefühle immer größer wurden.

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